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Im Steilflug.

Markt: Südkorea.

In den 1960er- und 1970er-Jahren galt die Republik Korea im Süden der asiatischen Halbinsel als eine der ärmsten Regionen der Welt. Vorbei! Fast unbemerkt hat sich der Tigerstaat hochgearbeitet in die Liga der weltweit führenden Volks- und Exportnationen. Sehr zur Freude der Hotellerie - auch in Deutschland.


Die Art des Vortrags ist typisch asiatisch: schüchtern eher, leise und sehr höflich. Die Botschaft jedoch - sie zielt auf die Welt: "We want to be respected leader in the world." Verkündet wird sie von Vertretern der südkoreanischen Fluggesellschaft Korean Air, als sie im Spätherbst 2015 am Frankfurter Flughafen ihre neue Businessclass vorstellen. Eine Businessklasse, so großzügig und verschwenderisch, dass nicht der geringste Zweifel besteht: Die meinen es ernst!

Und nicht nur die koreanische Airline strebt an die Weltspitze. Auch in Konzernen wie LG, Samsung, Kia oder Hyun­dai schlummert der Ehrgeiz danach, die Führung zu übernehmen -in einigen Technologiebranchen haben sie das sogar schon. Dass dies eher unbemerkt geschehen ist, mag der asiatischen Zurückhaltung geschuldet sein. Tatsächlich aber haben die Südkoreaner es fertiggebracht, in nicht einmal dreißig Jahren seit der Demokratisierung 1987 zur siebtgrößten Exportnation der Welt aufzusteigen. Für Deutschland gehört Südkorea sogar zu den wichtigsten Handelspartnern in Asien; allein 2014 betrug das bilaterale Handelsvolumen 28,9 Milliarden US-Dollar.

Die starken wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und dem asiatischen Tigerstaat kommen nicht von ungefähr. Nicht nur haben die Deutschen in den 60er- und 70er-Jahren erheblich dazu beigetragen, die Grundlagen des koreanischen Wirtschaftswunders zu legen. Darüber hinaus sind sich Deutsche und Koreaner erstaunlich ähnlich, wenn es um Tugenden wie Sorgfalt, Zuverlässigkeit und Fleiß geht. Und: Die Koreaner verehren die Deutschen, nicht umsonst hört zum Beispiel die größte Hotelgesellschaft des Landes auf den Namen Lotte Hotels. Es ist die Hommage ihres Gründers an Charlotte, die Heldin in Goethes "Die Leiden des jungen Werther". Die zweitgrößte Kette heißt übrigens Shilla Hotels.

Reisen nach Europa immer beliebter

Die Verbundenheit und der zunehmende Wohlstand wirken sich auch in der Wahl der Reiseziele aus. Noch stehen zwar die asiatischen Nachbarländer weit oben in der Gunst der Koreaner, die überhaupt erst seit 1989 selbst reisen dürfen. Aber immerhin zwölf Prozent aller Auslandsreisen führten sie 2014 nach Europa - Tendenz ­steigend.

Diesen Trend registriert nicht nur die Korean Air. Nachdem die Airline schon in den Vorjahren kontinuierlichen Zuwachsraten von zehn Prozent verzeichnen konnte, sei die Nachfrage nach Flügen zwischen Frankfurt und Seoul von 2014 auf 2015 um satte 14 Prozent gestiegen, heißt es aus Seoul. Und auch die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) konstatiert: "Die Ausreisen aus Korea haben seit dem Jahr 2011 stark zugenommen. Insbesondere scheint das Interesse an Europa überdurchschnittlich zu wachsen." In Zahlen heißt das: Im Jahr 2014 sind mehr als eine viertel Million Koreaner nach Deutschland gekommen - vor allem nach Frankfurt, München und Berlin - und haben 500.943-mal übernachtet (Leisure: 59 Prozent, Geschäftsreisen: 37 Prozent). Für 2030 prognostiziert die DZT ein Volumen von 900.000 Übernachtungen.

Das Interesse an Europa scheint überdurchschnittlich zu wachsen.

Bereits nach der Jahrtausendwende hatten Ketten wie Marriott, ­Hyatt und Hilton sukzessive damit begonnen, ihr Revier mit Luxusbrands wie JW ­Marriott, Ritz-Carlton, Park ­Hyatt und Grand ­Hyatt sowie Conrad (Ende 2012) zu markieren. Seit Herbst 2015 präsentiert sich nun sogar Four Seasons mit einem 300-­Zimmer-­Haus im Herzen Seouls und beflügelt die Hoffnung auf ein Ratenniveau, das sich zumindest annähert an das Raten­niveau internationaler Metropolen wie London, Tokio und anderen asiatischen Hauptstädten.

Noch freilich ist Südkorea weit davon entfernt. Im Gegenteil: Preislich spielt Seoul eher in einer Liga mit Berlin. Nicht grundlos zitiert JLL in seinem Südkorea-Report den CEO des Hotelbetreibers Leo Mond von den Aju Hotels & Resorts, der hofft, dass die Eröffnung neuer internationaler Luxushotels wie des Four-­Seasons-­Hotels dazu beitragen werden, die Preise ans obere Ende des Marktes zu treiben.

Südkorea ...

... ist vor allem eine Exportnation: Das Land belegt Rang sieben der wichtigsten Exportländer und Rang zwölf der größten Volksrepubliken der Welt. Insgesamt 75 koreanische Weltmarken exportieren Hightech-Produkte, darunter Samsung, Hyundai, Kia und LG. Wichtigster Handelspartner in Europa ist Deutschland, im Gegenzug bildet Südkorea den drittwichtigsten Absatzmarkt für Deutschland in Asien.

Erst 1989 wurde den Koreanern Reisefreiheit gewährt, danach entwickelte sich Südkorea als Reisemarkt ungewöhnlich schnell. 2014 reisten 254.000 Koreaner nach Deutschland; Tendenz: stark steigend. Für das Jahr 2030 prognostiziert die Deutsche Zentrale für Tourismus ein Übernachtungsvolumen von 900.000.

Tourismustreiber: Olympia 2018 und Chinas Mittelstand

Überdurchschnittlich stark wächst seit Kurzem aber auch das Mittelklasse- und Budgetsegment. Allein im vergangenen Jahr haben internationale Marken wie Ibis Styles, Holiday Inn Express, Four Points by Sheraton und Best Western neue Häuser eröffnet. Für 2016 stehen ein Hyatt Place und das Courtyard Seoul Namdaemun auf dem Plan.

Als einen wichtigen Treiber für das wachsende Hotelspektrum in Korea hat die JLL's Hotels & Hospitality Group die Olympischen Winterspiele 2018 ausgemacht. Vor allem aber die steigende Nachfrage vonseiten der stark wachsenden Mittelschicht in China, Südostasien und Indien sorge für nachhaltiges Wachstum im touristischen und Hotelsektor.

Davon profitieren nicht zuletzt auch die heimischen Hotelketten Lotte und Shilla. Als eine Art Statement darf daher die für den 2. Dezember 2016 angesetzte Eröffnung des Lotte World Towers gelten: Mit einer Höhe von 555 Metern wird der Shopping-, Büro- und Hotelkomplex das höchste Gebäude Asiens sein. Nicht ganz Weltspitze - aber immerhin.

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