Timo Al-Farooq

Freelance journalist/Writer/Independent researcher, Berlin

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Das Wunder vom Golf

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Katar kann keinen Fußball? Der Ausrichter der WM 2022 steht nun im Finale des Asien-Cups. Was das auch über deutsche Arroganz und globale Machtverhältnisse aussagt

Relativ abseits des deutschen Medieninteresses hat sich vergangenen Dienstag am Persischen Golf ein kleines sportliches Wunder ereignet: bei der Fußballasienmeisterschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) hat ausgerechnet Katar unter widrigsten Bedingungen innerhalb und außerhalb des Stadions den Gastgeber mit einem demütigenden 4:0 besiegt und steht zum ersten Mal in seiner Geschichte im Finale des Turniers.

In einem nicht nur sportlich brisanten Halbfinale in der Hauptstadt Abu Dhabi, zu dem - wie zuvor schon bei den vorherigen Spielen - aufgrund der mittlerweile anderthalb Jahre andauernden saudisch-emiratisch geführten Luft, -Land- und Seeblockade gegen den Nachbarn (dem ausgerechnet Saudi Arabien, die Heimat von 9/11 Architekt Osama bin Laden und 15 der 19 Todespiloten Terrorunterstützung unterstellt) keine katarischen Staatsbürger einreisen durften, wurde darüber hinaus die katarische Nationalhymne von Pfiffen und Buhrufen begleitet und flogen Flaschen und Schuhwerk auf die katarischen Spieler.


Die aggressive, anti-katarische Stimmung auf den Rängen schwappte schnell aufs Spielfeld über und fand ihren Höhepunkt in der 89. Minute beim Stand von 0:3 aus Sicht der Gastgeber, als der Emirati Ismael Ahmed für einen Ellbogen-Check gegen einen katarischen Spieler nach Prüfung durch den Videoschiedsrichter die glattrote Karte sah. Trotz allem bewies die Mannschaft vom spanischen Trainer Félix Sánchez Bas bei diesem "Blockade-Derby", wie Medien das Match zuvor getauft hatten, einen ruhigen Kopf und Siegeswillen, Teamgeist und sportliches Temperament, und versprühte mit vier wunderbar herausgespielten Toren auch noch interkontinental konkurrenzfähigen, fußballerischen Glanz.


Während das katarische Team sich nun auf das Finale gegen Japan am kommenden Freitag vorbereitet, hat der asiatische Fußballverband AFC eine Untersuchung zu den unsäglichen Vorkommnissen des vergangenen Spieltages eingeleitet. Darüber hinaus steht auch der Vorwurf im Raum, emiratische Entitäten hätten im Auftrag der Regierung das Gästekartenkontingent aufgekauft, die Tickets unter die eigenen Fans verteilt und somit aktiv zur aufgeheizten aggressiven Stimmung beigetragen.


La Masia in der Wüste

Völlig überraschend ist Katars Achtungserfolg jedoch nicht: Denn er ist keineswegs ein Zufallsprodukt, sondern logische Konsequenz einer mühsamen Evolution, die bereits im Jahr 2004 ihren Anfang nahm: Mit der Eröffnung der Aspire-Akademie, einem der modernsten Sport-Nachwuchsleistungszenten der Welt, wurde bereits damals der Grundstein für eine rasenballsportliche Entwicklung sondergleichen gelegt. Auch der FC Bayern hat den Standortvorteil des Emirats Katar erkannt und hat erst kürzlich wieder seine Wintervorbereitung auf die Bundesliga-Rückrunde in diesem hypermodernen Trainingskomplex westlich der Hauptstadt Doha abgehalten...


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