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Lubinus-Klinik evakuiert: Bombenentschärfung in Kiel: Wie räumt man ein Krankenhaus?

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Erschienen am 26. Oktober 2018 beim SHZ.


Die Kieler Lubinus-Klinik musste am Donnerstag wegen einer Bombenentschärfung evakuiert werden. Unsere Reporterin war dabei.


Kiel | „Wir machen heute etwas, was man eigentlich nie macht: Wir schließen das Krankenhaus heute ab.“ Das sagte Manfred Volmer, der Vorstandsvorsitzende der Kieler Lubinus-Klinik. In der Nähe des Krankenhauses wurde am Dienstag ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden, der Donnerstagnachmittag entschärft wurde.

Das Evakuierungsgebiet schloss neben der B76 und Teilen der Christian-Albrechts-Universität auch die Lubinus-Klinik ein: Das Krankenhaus musste komplett geräumt werden. In Kiel ist es keine Seltenheit, dass Blindgänger gefunden und entschäft werden müssen. „Aber jetzt ist zum ersten Mal ein Krankenhaus betroffen“, erklärt Volmer.


„Die Versorgung unserer Patienten muss sichergestellt sein“, erklärte Dr. Tilmann Krackhardt, der ärztliche Leiter. Operationen wurden verschoben, Patienten wurden entlassen. „So konnten wir die Anzahl auf etwa 50 senken“, sagt Krackhardt. Etwas mehr als die Hälfte davon verbrachten den Tag im Städtischen Krankenhaus, drei wurden ins Elisabeth-Krankenhaus gefahren, die übrigen Patienten kamen ins UKSH. Darunter waren auch zwei Intensivpatienten. Die Notfallambulanz wurde um 8 Uhr geschlossen, auch die Rettungsambulanz fuhr die Klinik nicht mehr an. 


Von Checkpoint zu Checkpoint


Um 10 Uhr ging es los. In 10er-Blöcken wurden die Patienten aus den Stationen geholt. Unten vor den Fahrstühlen wartete schon Jenny Massa: „Ich überprüfe hier am ersten Checkpunkt, welche Patienten aus welchen Zimmern hier ankommen und wer in welches Krankenhaus gebracht wir.“ Die erste Patientin, die aus dem Fahrstuhl geschoben wurde, war Friederike Kalke, die die ganze Situation gelassen sieht: „Ich finde das großartig“, sagt sie lächelnd. „Mir macht das ja nichts aus. Für das Personal ist das schlimmer.“

Mir macht das ja nichts aus Fr das Personal ist das schlimmer Patientin Friederike Kalke  

 

Wie alle Patienten hatte Kalke eine Karte mit ihren Patientendaten um. Auch in welches Krankenhaus sie gefahren werden soll, stand dort. Am zweiten Checkpunkt wartete Petra Ohle, die Leiterin der Notfallambulanz. Hier wurden die Patientendaten noch einmal geprüft. Ohle war auch an der Planung der Evakuierung beteiligt. „Dazu mussten die Informationen der Stationen und der ärztlichen Leitung eingeholt werden. Dann mussten wir überlegen: Wen können wir nach Hause schicken? Wer kann sitzend und wer muss liegend oder sogar intensiv transportiert werden?“

Für die Organisation zuständig war ebenso der leitende Notarzt Dr. André Küller „Beide Kliniken haben uns sehr schnell sehr große Bettenzahlen angeboten“, sagt er. Die umliegenden Krankenhäuser stellten komplette Stationen zur Verfügung. „Lubinus stellt das Personal. Die Pflegekräfte fahren mit und der ärztliche Dienst wird gestellt“, erklärt Volmer, „sie werden aber sehr stark vor Ort unterstützt.“


„Entschärfung ist Handarbeit“


Während die ersten zehn Patienten zu den Checkpunkten gebracht wurden, kamen die Einsatzwagen vor der Klinik an. Gefahren wurde im Anschluss in Kolonne. Bevor es in die Krankenwagen ging, prüfte auch die Feuerwehr noch einmal die Patientenlisten.

Um 13.18 Uhr verließ der letzte Patient die Lubinus-Klinik. Etwa 200 Menschen waren in die Evakuierung eingebunden. Nun machten sich Martin Doose und Udo Heider aus der technischen Abteilung an die Arbeit. Sie gehörten zu den zehn Mitarbeitern, die alle Türen verriegelten. Die übrigen Mitarbeiter fuhren mit einem Bus zur Holsteinhalle. Hier war ein Anlaufpunkt für einige der insgesamt 5000 Menschen, die nicht in ihren Wohnungen bleiben konnten. 


Ab 16 Uhr lag es dann an Hans-Jörg Kinsky (54) und Heinz Kollath (59), vom Kampfmittelräumdienst, die Fliegerbombe zu entschärfen. Beide waren entspannt. „Das ist eine ganz normale Aufschlagbombe, bei der wir zuerst den Zünder entfernen müssen“, erläutert Kinsky. „Das ist ganz normale Arbeit. Wir hatten heute morgen um 7 Uhr Dienstbesprechung und haben dann unsere Sachen gepackt. Mir macht das nichts aus, das Entschärfen ist Handarbeit“, meint Kollath trocken. Gegen 17 Uhr kam die Entwarnung: Die Bombe war entschärft.

Bis 20 Uhr waren dann alle Patienten wieder zurück. 


– Quelle: https://www.shz.de/21451382 ©2019

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