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Leben in der Schatzkiste

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Von den Künsten umschwärmt, von der kulturell ausgehungerten Nachwelt gefeiert: Verdi, hier im Zentrum eines Relief-Monuments in Parma.

Ein kollektives Raunen enttäuschter Hoffnung vermischte sich in Parmas Teatro Regio mit dem abklingenden Applaus. Minutenlang hatte das Publikum versucht, Riccardo Chailly und die Mailänder Filharmonica della Scala für eine zweite Zugabe zu gewinnen. Doch nach dem Vorspiel zu Giuseppe Verdis "La forza del destino" war Schluss, die Musiker hatten schließlich noch eine Heimreise vor sich. Dem Stück war ein Konzert mit mustergültig ausbalancierten Spannungsbögen vorausgegangen, das Programm hatte ausschließlich aus Ouvertüren von Verdi-Opern bestanden.


Die Enttäuschung nach dem frenetischen Beifall hatte ihren Grund womöglich auch im Rückfall in die italienische Realität. Radikale Sparmaßnahmen brachten die meisten Opernhäuser in den Vorjahren an die äußerste Grenze ihrer Funktionsfähigkeit, musikalische Höhepunkte sind rar geworden. Parma hat es besonders hart getroffen. Das Teatro Regio, eine herausragende Schatzkiste aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, schaffte es bisher nicht auf die Liste der "Enti Lirici", jener Auswahl von Opernhäusern, die vom Staat als besonders schützenswert angesehen werden. Zudem wurde Parmas Bürgermeister im Vorjahr nach exorbitanten Korruptionsfällen abgesetzt, wichtige Sponsoren fielen aus. Seither ist das Teatro Regio, das mittlerweile weder über ein eigenes Orchester noch über einen eigenen Chor verfügt, vom Goodwill der Mitarbeiter und der Künstler abhängig, die sich mitunter mit Hungerlöhnen zufrieden geben müssen.

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