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STROKE – Alles andere ist künstlich

Wer den Erwerb von Kunstwerken im Allgemeinen als einen Zeitvertreib versteht, dem geldige Aristokraten bei Christie’s oder allerlei Dilettanten in der Dekorationsabteilung von IKEA nachgehen, der tut vielleicht gut daran, den englischen Titel der Münchner Kunstmesse STROKE tatsächlich als „Schlaganfall“ zu übersetzen. Schließlich haben sich die Brüder Raiko und Marco Schwalbe bei deren Gründung vor nunmehr sieben Jahren zum Ziel gesetzt, der angestaubten Kunstwelt einen zerebralen Insult zu versetzen und Werke auf Augenhöhe zu zeigen, die Spaß machen, Genre-Grenzen überschreiten und insbesondere erschwinglich sind.

Fortschrittsfeindliche Standpunkte hinsichtlich der Hoch- wie Popkultur sollen insofern hinterfragt werden, als dass ein multilaterales Angebot zwischen Design, Kunst und urbanem Lifestyle einem möglichst breiten Publikum zugänglich gemacht wird.

Grad recht also, dass die STROKE auch heuer wieder auf der Praterinsel stattfinden wird, die in ihrer Verwendungsgeschichte ja mindestens ebenso vielgestaltig daherkommt und sich vom Erholungsgarten der Franziskanermönche zum königlichen Fabrikgelände für Likör- und Essigproduktion, bis hin zum Sitz des Deutschen Alpenvereins und schließlich Austragungsort diverser kultureller Eklats verwandelte.

Hier dürfen sich nun die jungen Künstler und kleinen Galerien austoben, die sich eine britische Frieze oder schweizerische Art Basel nicht leisten können, und das auf zwei Säulen begründete System funktioniert: durch Eintrittspreise und Sponsoren konnte die STROKE seit 2009 zu Bayerns besucherstärkstem, in seiner Form relevantesten Kunstevent werden, das niedrige Teilnehmergebühren aufzufangen weiß.

Die ersten Gehversuche als Galeristen machten die Gebrüder Schwalbe dermaleinst in Berlin, wo sich sich mit „Intoxicated Demons“ der bis dato vandalisieren Teenagern vorbehaltenen, nationalen wie internationalen Urban Art Szene widmeten, ohne dabei ihre Leidenschaft für Egon Schiele, Francis Bacon oder Kurt Schwitters auszuklammern. Stetig entdeckten sie dabei die Schere zwischen dem hochprofessionellen Kunstmarkt und den Neigungen akademischer Kunstliebhaber, sowie auch eine Diskrepanz zwischen dem Markt- und Börsenwert eines Künstlers und tatsächlichen Qualitätsansprüchen der Rezipienten.

So lag ihnen mit der Gründung der STROKE am Herzen, möglichst breitgefächert zwischen Street und Urban Art sowie zeitgenössischer Kunst jeglicher Fasson zu interagieren und die Besucher zwischen Collagen, Objekten aus Papier, Videoinstallationen, Comics, Skulpturen und Textilien herumzulotsen.

Zusätzlich wird das erlebnisorientierte Event in diesem Jahr als Partner von Lufthansa unterstützt, die im Rahmen des Live-Paintings von sechs internationalen Künstlern jeweils einen Flugzeug-Trolley zum Unikat verwandeln und hernach zu Gunsten der help alliance versteigern wird.

Neben dem Auftritt weiterer internationaler bildender Künstler aus Mexico, Russland, Bulgarien, Argentinien und der Slowakei darf selbstverständlich, wie jedes Jahr, auch die musikalische Komponente nicht fehlen. Zwischen Red Bull Pure Sound Live Act am Mittwoch und der Abschlussparty, die vom PULS Team um Walter Wolff und VELI x VIWO gestaltet wird, liegt am Freitag die STROKE-Geburtstagsfeier. 

Sieben Jahre zugängliche, bezahlbare Kunst; sieben Jahre ein kurzfristiger Ausfall des Zentralnervensystems der elitären Kunstwelt – das darf durchaus zelebriert werden.


WAS: STROKE Kunstmesse


WO: Praterinsel, D-80538 München


WANN: 4. bis 8. Mai 2016 

Mittwoch, 4. Mai / 19.00 - 22.00 Uhr 

Donnerstag, 5. Mai / 12.00 - 22.00 Uhr 

Freitag, 6. Mai / 12.00 - 22.00 Uhr  

Samstag, 7. Mai / 12.00 - 22.00 Uhr 

Sonntag, 8. Mai / 12.00 - 18.00 Uhr 


WIEVIEL: Erwachsene: 13 EUR

Studenten: 11 EUR (gilt nur am Freitag) 

Dauerkarte: 18 EUR

Kinder unter 16 Jahren haben freien Eintritt