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Im Zug schneidet man sich nicht die Nägel

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Collage: jetzt.de / Fotos: freepik / Tinka24 / photocase.de / unsplash

Ich sitze im Zug, mir gegenüber drei Männer. Die Sitze sind quer angeordnet, das heißt, dass ich meinen Mitfahrern direkt ins Gesicht schauen kann. Seit ungefähr fünf Minuten starre ich einen von ihnen unentwegt an. Mich fasziniert die Seelenruhe, in der er seine Nägel knipst. Die abgetrennten Fingernägel fliegen in alle möglichen Richtungen und auf alle möglichen Kleider. Die Frau zu meiner Linken trifft ein Stück Daumennagel am Knie. Stumm zieht sie ihr Bein zur Seite. Die Frau zu meiner Rechten hingegen ist einem Tobsuchtsanfall nahe. Das merke ich, weil sie die ganze Zeit mit dem Kopf schüttelt und die Luft anhält, um sie mit einem lauten Geräusch wieder rauszulassen. Der Knipser ist davon unbeeindruckt. Vielleicht ist ihm ja nicht bewusst, dass andere Menschen Fingernägel knipsen für etwas Intimes halten. Auf meiner Seite des Abteils scheinen wir uns jedenfalls alle einig, dass wir scheiße finden, was der Typ macht. Nur seine Geschlechtsgenossen zeigen sich von seiner Knipsparade relativ unbeeindruckt. Original