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Das Buch ist tot! - Es lebe das Buch!

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Quelle: dpa

von Maria Ugoljew

In Frankfurt startet heute zum 36. Mal die weltweit größte Buchmesse. Während in jüngster Vergangenheit viel Wert aufs E-Book gelegt wurde, steht in diesem Jahr das Buch als solches wieder im Mittelpunkt. Denn es ist - und bleibt - das Kerngeschäft.


Vor einigen Jahren prophezeiten Studien dem alten Buch aus Papier und Umschlag nichts Gutes. Das E-Book würde bald seinen Platz einnehmen, hieß es, Untergangsstimmung machte sich breit. Doch nichts dergleichen ist passiert. Das elektronische Buch bleibt in deutschen Haushalten eine Rarität.


Der Hype ist vorbei


Dass es zu Beginn einen regelrechten Hype ums E-Book gab, verwundert Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, nicht. Jede technische Entwicklung werde von der Öffentlichkeit begeistert aufgenommen und eingehend diskutiert, meint er. Was beim E-Book geschah, ließe sich heute mit der Debatte ums Elektro-Auto vergleichen. Am Ende könne allerdings niemand die Zukunft des Markts vorhersagen.


Der Umsatzanteil von belletristischen E-Books in Deutschland liegt heute bei knapp fünf Prozent, im vergangenen Jahr war die Zahl der Käufer sogar erstmals wieder rückläufig. Auch in den USA stagnieren die Verkaufszahlen, dort weisen elektronische Bücher einen Umsatzanteil von 20 bis 25 Prozent auf.


Gedrucktes wird geschätzt


Heinrich Riethmüller sieht in der Beständigkeit des Buches zwei Gründe: "Einerseits liegt das an den konservativen Lesegewohnheiten", sagt der 61-Jährige, "viele sind mit gedruckten Büchern groß geworden." Das Lesen sei noch immer ein haptisches Erlebnis. Außerdem könne man sich im gedruckten Buch besser zurecht finden - "wie viele Seiten brauche ich noch bis zum nächsten Kapitel? Da kann ich ganz einfach vorwärts blättern." Das ästhetische Moment spiele ebenfalls eine wichtige Rolle, "Verlage legen deshalb auch wieder größeren Wert auf die Ausstattung".


Weitere Links zum Thema Andererseits sei das Distributionsnetz in Deutschland einzigartig. "Wir haben den zweitgrößten Buchmarkt in der Welt, nach den USA. Überall - fast in jedem Dorf - haben wir Buchhandlungen." Jährlich würden neue Geschäfte eröffnen. Dass der Markt so lebendig sei, liege an der Buchpreisbindung, ist sich Heinrich Riethmüller sicher. "In Großbritannien etwa ist die Preisbindung vor rund 20 Jahren aufgegeben worden, viele Läden haben daraufhin dicht gemacht."


Fachliteratur bleibt eine Ausnahme


Ein Bereich, in dem sich die elektronische Lese-Variante durchgesetzt habe, sei die Fachliteratur, meint Heinrich Riethmüller. "Fachinformationen richten sich an berufliche Nutzer, deren Arbeitsalltag - über alle Branchen hinweg - zunehmend digital ist." In der Belletristik beobachte er hingegen folgende Entwicklung: Science Fiction-, Krimi- und Fantasy-Leser würden öfter zum E-Book greifen. "Aber je literarischer ein Buch ist, umso eher wird es in gedruckter Form gekauft."


Er selbst schätze beide Varianten: das Papier für Zuhause und das E-Book für unterwegs. "Beide Angebote werden auch weiterhin nebeneinander existieren", ist Heinrich Riethmüller überzeugt. "Ich kann außerdem mit Zuversicht sagen - das gedruckte Buch wird es immer geben. Auch wenn ich nicht sagen kann, wie der Markt in zehn Jahren aussieht."


Start der Buchmesse


Was sich im Buchhandel gegenwärtig alles tut, können die Besucher auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse in Erfahrung bringen. Die mehrtägige Großveranstaltung wird heute eröffnet. Erst werden Fachbesucher die Hallen stürmen, und am Wochenende dann tausende Leser. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr Literatur aus dem frankophonen Raum, der Ehrengast schaut von Frankreich über Afrika bis nach Haiti.


(10.10.2017, www.heute.de)

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