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23-Jährige über Klima-Versagen: Danke für nichts

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Lobbyisten, Politiker, Industrielle: Ihnen allen war das Wirtschaftswachstum wichtiger als der Klimaschutz. Dank ihnen sind junge Menschen wie ich in einer Welt aufgewachsen, in der wir nur noch Schadensbegrenzung betreiben können. Sie haben das Weltklima unumkehrbar verändert, bevor ich überhaupt geboren wurde.

Der aktuelle Sonderbericht des Weltklimarates IPPC zeigt, dass sich eine Erwärmung der Erde um 1,5 Grad kaum noch verhindern lässt. Jeder Einzelne trägt dafür Verantwortung und sollte alles dafür tun, seinen CO2-Fußabdruck zu verkleinern.

Doch das allein wird nicht reichen. Selbst wenn sich der Normalbürger nur noch regional und vegetarisch ernährt, Ökostrom bezieht, seltener fliegt und mehr Bahn fährt: Ein globales Jahrhundertproblem wie den Klimawandel bekommen wir so nicht in den Griff. Wir brauchen eine Weltgemeinschaft, die geschlossen gegen den Klimawandel kämpft und radikal Emissionen senkt.

Wie drängend das ist, scheint jedoch niemanden zu interessieren. Zumindest nicht die, die tatsächlich etwas bewirken könnten.

Ein vieldiskutierter Artikel des "New York Times Magazine" stellte diesen Sommer die These auf, dass der Klimawandel um 1980 herum hätte aufgehalten werden können. Dann kamen Politiker dazwischen und Lobbyorganisationen. Konservative Thinktanks begannen, den Klimawandel zu leugnen oder kleinzureden.

Was ich mich frage: Haben diejenigen, die sich gegen ehrgeizige Klimaziele einsetzen, selbst Kinder? Vielleicht sogar Enkel? Und sind sie sich darüber im Klaren, was für eine Erde sie ihnen hinterlassen?

Lobbyisten, Politiker und Industrielle tragen mehr Verantwortung für die Gesellschaft als der Normalbürger. Und es ist ihre verdammte Pflicht, sie wahrzunehmen.

Ich erwarte von ihnen, dass sie eine Welt schaffen, die uns entlastet. In der wir kaum anders können, als klimaschonend zu leben. Stattdessen haben sie eine Welt gestaltet, die uns dauernd dazu verleitet, Dinge zu tun, die schädlich für das Klima sind.

Warum gibt es zum Beispiel überhaupt eine Flugverbindung von Frankfurt nach Stuttgart? Das ist eine Strecke von 204 Kilometern. Die Bahn braucht für dieselbe Strecke nur 25 Minuten mehr, als der reine Flug dauert. Solche Produkte sind ein schlechter Scherz, der auf Kosten meiner Zukunft gemacht wird. Eigentlich dürfte es sie gar nicht geben.

In eine Welt geboren, die andere kaputt gemacht haben

Was also müsste passieren? Wir brauchen eine globale CO2-Steuer, damit Klimafolgen in Preise eingerechnet werden. Und: Wir müssen radikal Emissionen senken, durch einen schnellen Kohleausstieg und eine massive Begrenzung des CO2-Ausstoßes.

Wenn das nicht passiert, müssen wir laut werden. Und mit "wir" meine ich all die Kinder, die in eine Welt geboren wurden, die andere kaputt gemacht haben.

Wir müssen uns in Parteien und Organisationen für den Klimaschutz einsetzen, Petitionen unterschreiben, Demonstrationen organisieren und mit anderen über den Klimawandel reden. Reden, reden, reden. Und wenn unsere Eltern Politiker, Lobbyisten und Industrielle sind, erst recht.

Die Politik wird sich nicht von allein verändern, sondern nur durch Menschen, die sich einbringen. Wir müssen unser Recht einfordern auf eine Welt, in der wir und unsere Kinder noch gut leben können. Dafür müssen wir kämpfen.

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