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Apostile

Rauf aufs Sofa - Zorbing!

„Bitte ein Sofa für Freitag …“, hat die Chefin angestrengt genuschelt weil sie hat das Kapserl vom roten Filzstift im Mund gehabt, weil sorgfältig hat sie aus dem uralten und ein bisschen ranzigen „Runter vom“ nämlich ein „Rauf aufs“ gebastelt, weil da liegen wir jetzt alle seit nunmehr einer Woche, schön bräsig auf dem Kanapee, draußen pfeift der Eiswind ein fröhliches Lied, wenn du ein Auto hättest müsstest du nur einmal kurz alle Türen aufmachen und schon we(h)delt der Wind allen Unrat hinaus auf die Straße, wo er frei von Straßenreinigungssorgen umeinandertanzt. Drinnen haben wir die Liste „100 Dinge zum Tun für während der Heimquarantäne“ wegen protestantischem Arbeitsethos effizient abgearbeitet direkt am ersten Tag, weil in dem Moment, in dem der Markus I. vor die Kamera getreten ist und dann Superspannung weil: Wird er gleich die autokratische Monarchie Bayern ausrufen oder doch nur eine Ausgangssperre? hat man vor lauter Erleichterung sofort angefangen mit der Abarbeiterei. Alles freilich schön wie sich das gehört in oben feiner Zwirn und unten eher so bequem, schöne Grüße auch an den Lagerfelds Charly, der zwirbelt sich wahrscheinlich grad in seinem Mausoleum um die eigene Achse, dass es nur so staubt. Ah, also wegen Müll, da muss man sagen hat die Stadt Nürnberg ein prophetisches Näschen bewiesen mit dem Plastikmüllsackerl, weil ganz auf einmal stört es gar nicht mehr so sehr, wegen jedem Alufitzerl hinaus zur Tonne zu schlurchen, ganz im Gegenteil gibt es bereits erste Gerüchte von Nachbarn, die sich heimlich zum Müllruntertragen verabreden und dann schön hinterm Mundschutz oder umgeschnürten Socken oder Vatis Feinripp weil Hauptsache irgendwas im Gesicht wichtige Informationen austauschen. Wer’s ein bisschen weiter schafft der landet gern versehentlich im Park und jetzt stell dir aber einmal vor: Sehr viele Menschen verlaufen sich andauernd in so einen Park, deswegen kannst du da eine Grandezza beobachten als tät der Herr Montero in einem nie dagewesenen Feldprojekt ein neues Tanzstück einstudieren – eine Coroneographie kann das vielleicht später einmal heißen, wenn sehr arg viele Menschen gleichzeitig versuchen in einem Abstand von ungefähr zwei Metern umeinanderherum sich zu bewegen. „… das auch gerne ohne Corona auskommen darf“, hat die Chefin meinen Gedankenfluss unterbrochen und ich: Erlaube mal, hab ich mich empört, ich hab überhaupt gar keine Zeit für dein komisches Corona weil ich hab nämlich eine Spitzengeschäftsidee, und dabei hab ich schon heimlich in den Gelben Seiten herumgeblättert. „Zoobedarf … Zopfmuster … Zorro … ZORBING! ICH HAB’S! Der Zorbing Ball ist die Lösung!“ – „Ist das was zum Essen?“, frug es müde hinter dem Rotstiftkapserl. „Nein nein – aber eine saugute Idee!“, hab ich gefunden, „wenn nicht gar die beste – mit Abstand!“ und mich sogleich ans Großbestellen gemacht. Kinder, bald ist alles wieder gut. Ein Leben im Zorbing Ball ist stickig, aber möglich. Bis dahin bitte: Gesund bleiben! Und: Rauf aufs Sofa!