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Apostile

Runter vom Sofa - Kümmerling

Große Leistungen machen müde, das wissen wir. Nicht umsonst fällt ein jedes Baby in einen tiefen Schlaf nach jeder Mahlzeit, und auch der Mann wird meist bewusstlos, sobald er seine drei Minuten beigetragen hat zur Arterhaltung. Vermutlich darum hat mich nach dem ersten Klingenkreuzen mit dem Schubiduden („gesungene Silbenfolge ohne Bedeutung aus der Jazz- oder Popmusik“) eine große Erschöpfung angefallen, so dass ich nackt und schutzlos dem Angriff eines Supervirus ausgeliefert war. „Das klingt nach Männerschnupfen!“, erscholl die Facharztdiagnose durch ein Telefon, und „Ja!“, parierte ich, „damit kennst du dich ja aus, also lass mich liegen auf dem Sterbebett. Was ich jetzt nicht gebrauchen kann ist Häme!“ Auch wenn die, schon logisch, zu den Standardreaktionen auf Leidverkündung gehört, mag man sie meist wenig, schließlich befindet man sich in einer einzigartigen Ausnahmesituation, über deren Ausmaß sich niemand ein Urteil bilden soll, gefälligst, auch nicht, wenn es zum Beruf gehört, sich Urteile über Krankheitsausmaße zu bilden. Du siehst täglich zwölf Schädelbasisbrüche? Ganz egal, meiner ist der schlimmste, also zeig etwas Respekt! Gar keinen Respekt hingegen zeigen Miesepeter und Gutelaunefeen: „Ich muss demnächst für eine Woche ins Krankenhaus.“ – „Aha. Nimm bitte den Müll mit, wenn du rausgehst.“ Da fühlst du dich gut aufgehoben, man soll ja aus einem Mückenstich keinen Elefantentritt machen, die freundliche Nachfrage regelt am End noch das jammernde Angebot, Umgotteswillen! Und dann gibt’s aber noch ein anderes Extrem: „JETZT HÖR DOCH BITTE ENDLICH AUF, DICH UM MICH ZU KÜMMERN!“ hab ich kurz nach Krankheitsausbruch ausgerufen und mir Fieberthermometer, Heizdecke, Wadenwickel, Wärmflasche und Tropf vom Leib gerissen. „Ich hab nur eine winziggkleine Erkältung, wirklich!!“ und das Schriftstück angezündet, auf dem mein Nachruf bereits eifrig formuliert war. Übereifrig. Beinah schon besorgniserregend proaktiv. „NICHTS DA!“, erscholl drohend die Antwort. „Du bist krank! Ich muss mich um dich kümmern!“ Eigentlich ist das schön. Schöner allemal als allein dahinzusiechen und zu -scheiden und erst bemerkt zu werden, wenn Beschwerde im Treppenhaus zwengs strenger Geruchsentwicklung eingereicht wird, gar keine Frage. Aber so ein klitzekleines bisschen in Ruhe und in Stille vor sich hin zu laborieren, das hat schon was. Doch da hast du die Rechnung ohne den Kümmerling gemacht. „Möchtest du noch Tee?“ – „Nein.“ – „Doch!“ – „Na gut.“ ist ein mit dieser Spezies typischer Dialog. „Soll ich dir eine neue Wärmflasche machen?“ – „Nein.“ – „Doch, ich sehe dass du frierst.“ – „Na gut.“ – „Hast du Hunger?“ – „Nein.“ – „Doch.“ – „Na gut.“ – „Möchtest du Fernsehen?“ – „Nein.“ – „Doch.“ – „Na gut …“ und so wird man durch den Tag gepflegt und wünscht sich nichts sehnlicher, als in einen schweren Fieberschlaf zu fallen und nicht weiter behelligt zu werden von Aufmerksamkeitsbelästigung. Alternativ wird man einfach schleunigst gesund. Wie, Plan von Anfang an? Also das ist doch … ! Darauf einen Kümmerling! Genesung Alaaf!