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Apostile

Die Partykolumne - Südostfränkisch

„Ich habe euch […] gezeigt, dass man […] sich der Schwachen annehmen muss im Gedenken an das Wort des Herrn Jesus […]: Geben ist seliger als nehmen.“ Wird sie jetzt plötzlich religiös, die Wasmeierin? Reicht es nicht, dass sich dieses Wochenende das protestantische Nürnberg wieder ins alljährliche Gold-und-Puttenwunderland verwandelt? Ja doch, freilich reicht das, ich will natürlich auf was ganz anderes hinaus: auf die guten alten Übersetzungsfehler in der Bibel nämlich. So wie es in der Apostelgeschichte 20,35 LUT des Neuen Testaments geschrieben steht, kann es nämlich gar nicht heißen. Sondern: „Gieben ist seliger als Nimmen.“ Stimmt nicht? Dacht ich auch immer, werde aber tagtäglich eines Besseren belehrt. Der Pöbel um mich herum versucht mich eine andere Sprache zu lehren als die, von der ich meinte, sie in weitestgehend korrekter Art und Weise zu beherrschen.

Sagt „Ich gib dir nachher noch Bescheid“. Sagt „Ich nimm dich später mit“. Und das mit großer Beharrlichkeit. Schlussfolgere ich also: Der Infinitiv muss „gieben“ und „nimmen“ heißen. Oder auch nicht, denn schließlich erscheint dieses Wort an anderer Stelle als doch wieder unregelmäßig konjugiert: „Nehm bitte den Müll mit runter!“ oder „Geb mir schnell mal deine Nummer!“ stürzen mich in große germanistische Verwirrung. Damit nicht genug sehe ich mich mit dem Umstand konfrontiert, dass es noch so viele Wörter mehr gibt, die eigentlich ganz anders lauten als von mir vermutet. „Dürf ich schon mal ein Stück von dem Kuchen essen?“ lässt mich nicht minder beschämt zusammenzucken als ein „Ich stirb gleich vor Hunger“ oder „Sterb gefälligst!“ Zu Beginn meiner vermeintlich gutgemenschten missionarischen Tätigkeiten hatte ich versucht, dieser Unflat Einhalt zu gebieten. Beispielsweise so: „Der Imperativ von ‚sterben‘ wird mit ‚i‘ gebildet.“

Das Ergebnis ist nun, dass besagte Menschen, artig, wie sie sind, analog zu arbeiten pflegen: „Sterbi gefälligst!“ Gut, ich mein, die Liste unregelmäßiger Verben in diesem Deutsch, die ist eine lange, da kann man schon mal durcheinander kommen. Es häuft sich jedoch ein Durcheinander signifikant im Mittelfränkischen Raum – der gleichnamige Dialekt übrigens hat nichts mit der hiesigen Region zu tun, sondern mit der westmitteldeutschen. Richtig heißt das: (Süd)Ostfränkisch! – das mich trotz Sozialisation in selbiger zur Verzweiflung treibt. Und in Verwirrung stürzt. Muss es jetzt heißen: „Liest die Glosse!“ oder „Lesi die Glosse!“ oder gar „Ließ die Glosse!“? Ist mir Grunde genommen aber auch egal – Hauptsache, ich versteh mich selbst, und das ist ja auch nicht immer gegeben. Womit wir wieder beim Geben wären. Und beim Nehmen. Äh, Nimmen.

Ich nimm euch mit ins Wochenende: 3-2-1 Glühweinmarkt, eh klar, und ansonsten „Opening“ (Rosi Schulz, Luitpoldstraße, Fr&Sa), „Dancing with Tears in my Eyes“ (Zentralcafé, Königstraße), „Bunnahabhain“ (Desi, Brückenstraße), „Pink Indabahn“ (Bahnhof), „Hitparade“ (Mach, Kaiserstraße), „Neurotanzmitter“ (Rakete, Vogelweiherstraße) , „Dotbass“ (Z-Bau, Frankenstraße) und Samstag „11 Opening“ (Bahnhofstraße), „Birdie Ballkönigin“ (MUZ, Fürther Straße), „80s/90s“ (T90, Flughafen), „Hände hoch!“ (Desi), „Schwarztanz“ (Cult, Dooser Straße), „Circus Beretton“ (Stereo, Klaragasse), „Buckshot“ (H33, Engelhardsgasse). Prost!