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Kunstvoll verpackt

Der Antritt der neuen Stelle in einer anderen Stadt oder im Ausland liegt nur noch wenige Wochen entfernt, und alles ist genau geplant, fast alles: Bis eine dauerhafte Bleibe gefunden ist, lagern die Möbel zum Teil im Keller von Bekannten, zum Teil bei einem der auch hierzulande immer zahlreicher werdenden Selfstorage-Anbieter. Doch wohin mit dem alten Ölgemälde, einem Erbstück, das nicht nur von hohem emotionalen, sondern auch materiellem Wert ist? Betreiber konventioneller Möbellager geben zwar an, dass auch Kunst und Antiquitäten bei ihnen gut aufgehoben sind. Aber zum einen sieht das die Versicherung nicht immer genauso, zum anderen gelten gerade beim Lagern von Ölgemälden hohe Ansprüche. Freunde haben zwar angeboten, das Kunstwerk in ihrem Keller aufzubewahren. Dort aber mit einem Messgerät herumzuwandern, um ihn auf die richtige Luftfeuchtigkeit zu prüfen, ist für manchen eine eher unangenehme Vorstellung.

Andererseits brauchen Kunstwerke meist das richtige Raumklima. Da ist zunächst einmal die Temperatur. In Museen beträgt sie meist konstant 21 Grad, die Luftfeuchtigkeit liegt bei 45 Prozent - in vielen Kellern von Privathäusern sind es gut 50 Prozent. Um die Farben zu schonen, sollten Ölgemälde zudem lieber gerahmt und nicht gerollt gelagert werden, rät man bei der Galerie Zimmermann & Heitmann mit Standorten in Dortmund und Düsseldorf. Allzu feste Kunststoff-Verpackungen können die Luftzufuhr erschweren, schlimmstenfalls bildet sich Kondenswasser. Deshalb sollte man Gemälde am besten in Holz- oder Pappkisten verwahren.

Je teurer das Werk, desto höher die Anforderungen

Ganz schön viele Anforderungen, die proportional zum Wert des Werkes steigen. Deshalb bringen viele Galerien, Museen und private Sammler ihre Schätze in speziellen Kunstlagern unter. Einige Anbieter deuten schon im Namen an, worauf ihr Fokus liegt: Unternehmen wie Art Handling, Art-Knox, Kroll Art & Projects bieten neben Lagerung auch den Transport von Kunst an. Damit kennt man sich auch in Frechen bei Köln bestens aus. Das 1903 gegründete Unternehmen Hasenkamp lagert deutschlandweit an dreizehn Standorten Kunstwerke, weltweit sind es achtunddreißig. Auch den sicheren Transport der Kunst an so ziemlich jeden Ort auf der Welt organisiert Hasenkamp - vom kleinen Gemälde bis zur großen Installation.

Die Zentrale des Unternehmens inmitten eines nüchternen Industriegebiets beherbergt auch ein Lager. Neben der ganz konventionellen Möbellagerung bietet das Unternehmen hier hinter hohen, in schlichtem Grau gehaltenen Fassaden auf mehr als 6000 Quadratmetern auch Platz für Gemälde, Skulpturen und Installationen, geschützt von einem aufwendigen Sicherheitssystem. Abgesehen von Mitarbeitern und Kunden hat hier normalerweise niemand Zugang, erläutert Hasenkamp-Geschäftsführer Thomas Schneider, während er durch eine gesicherte Stahltür nach der anderen führt.

Im Lager angekommen, weist Schneider auf hohe Regale, in denen große und kleine Pakete nebeneinander gereiht stehen, manche in Luftpolsterfolie, andere in Kartonagen und Holzkisten verpackt: „Der Anblick ist vermutlich unspektakulärer als erwartet", sagt er. Gegenüber den Regalen sind metallene, mit Schlössern versehene Türen zu sehen. Dahinter liegen Boxen, in denen Kunden ihre Kunstwerke lagern können. Fünfzig Abteile unterschiedlicher Größe befinden sich hier, das kleinste hat eine Fläche von sechs Quadratmeter, das größte misst 1000 Quadratmeter.

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