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«Der schlägt mich» – Neues Trainingszentrum der Polizei eröffnet

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Amokläufe oder Einsätze bei Gewalt in der Familie: Die Polizisten in Rheinland-Pfalz sollen auf brenzlige Situationen besser vorbereitet werden. Bei Kaiserslautern gibt es dafür ein neues Trainingszentrum.

Von Julian Weber, dpa

Enkenbach-Alsenborn (dpa/lrs) - Drei Polizisten klopfen an einer weißen Wohnungstür. Laute Musik ist zu hören. Eine Frau öffnet, ihr Gesicht ist blutverschmiert. «Bitte helfen Sie mir, der schlägt mich schon wieder», schreit sie panisch. Kurze Zeit später liegt ihr Mann in Handschellen auf dem Boden des Wohnzimmers. «Break», schallt es durch die kleine Wohnung - es ist alles nur Training. Die Ausbilder scheinen zufrieden. 

«Wenn Polizisten in eine solche Situation kommen, stehen sie unter höchstem Stress», sagt Rainer Köllner. Deshalb sei es nötig, solche Szenarien unter realistischen Bedingungen zu trainieren, fährt er fort. Köllner ist Leiter eines Einsatztrainingszentums der Polizei in Enkenbach-Alsenborn, das am Montag eröffnet wurde. In dem Zentrum bei Kaiserslautern sollen die rheinland-pfälzischen Polizisten in Zukunft auf Amoklagen oder Festnahmen unter schwierigen Bedingungen vorbereitet werden. 

Dazu wurde ein ehemaliger Filmsaal der Bereitschaftspolizei aufwendig umgebaut. Im früheren Zuschauerbereich befinden sich jetzt eine Wohnung, eine Gaststätte sowie ein Klassenzimmer. Hier werden Szenarien wie etwa die häusliche Gewalt nachgestellt. 

Der Boden und die Wände der ehemaligen Bühne sind mit Matten gepolstert. Die Polizisten sollen auf ihnen verschiedene Techniken zur Festnahme von Verdächtigen üben. Alle Räume sind zudem mit modernster Technik ausgestattet. Kameras zeichneten die Einheiten auf, um das Training später auswerten zu können, sagt Köllner.

Eröffnet wurde das neue Trainingszentrum vom rheinland-pfälzischen Innenminister Robert Lewentz (SPD). «Wir können hier alle Herausforderungen abbilden, die sich der Polizei in geschlossenen Räumlichkeiten bieten», sagt Lewentz bei einem Besuch. Das Training stärke die praktischen Handlungskompetenzen und sei ein unverzichtbarer Bestandteil der Aus- und Fortbildung. Die Kosten in Höhe von 400 000 Euro seien deshalb gut in die Sicherheit der Bürger investiert. 

In dem Trainingszentrum sollen die Polizisten auch auf mögliche Terroranschläge vorbereitet werden. Nach der Attacke auf die französische Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» habe man alle 400 Streifenwagen mit Schutzwesten, Helmen und Maschinenpistolen ausgestattet, sagt Lewentz. Der Umgang mit der Ausrüstung müsse aber geübt werden.

Die Polizisten auf dem Schießstand trainieren deshalb mit Weste und Helm. Insgesamt wiege die Ausrüstung etwa 20 Kilogramm, sagt Zentrumsleiter Köllner. Die fünftägige Fortbildung dafür müssen alle Streifenpolizisten durchlaufen. Geschossen wird auf Zielscheiben, die dem Umriss eines Menschen nachempfunden sind - aus der Deckung heraus oder während alles in Bewegung ist. 

«Wer besser schießt, schießt auch besser nicht», sagt Köllner. Je sicherer ein Polizist im Umgang mit der Waffe sei, desto länger könne er auch warten, ehe er einen möglicherweise tödlichen Schuss abgebe. Im Gegensatz zum Training könne die Realität nicht mit einem einfach «Break» unterbrochen werden.

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