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Kommentar zu Stelter-Auftritt: Man könnte der Frau auch einfach mal zuhören

Gabriele moeller hasenbeck und bernd stelter

Gabriele Möller-Hasenbeck stürmte während des Auftritts von Bernd Stelter die Bühne. Foto: Philipp Meckert

Haha! Doppelnamen! Kramp-Karrenbauer! Was ein Schenkelklopfer!

Bringen wir es auf den Punkt: Das, was Bernd Stelter da am Wochenende bei der TV-Sitzung über Frauen mit Doppelnamen vom Stapel gelassen hat, war schlicht ein schlechter, flacher Witz. Ob er so schlecht oder gar diskriminierend war, dass man deshalb gleich die Bühne stürmen musste, sei einmal dahingestellt. Sicher ist aber: Die Kritik, die Gabriele Möller-Hasenbeck so öffentlich geäußert hat, ist durchaus berechtigt.

Bis in die 90er Jahre war es gesetzlich vorgeschrieben, dass Ehepartner denselben Familiennamen tragen müssen. Der Doppelname war lange Zeit die einzige Möglichkeit für die Frau, ihren Nachnamen in der Ehe zu behalten. Zwar gestattete es das Gesetz schon ab den 70er Jahren, den Namen der Frau zum Familiennamen zu erklären. Weigerte sich der Mann jedoch, blieb nur der Doppelname - oder eben der des Mannes.

Bernd Stelters Kritik an der Frau ist witzlos

Erst seit 1991 ist es Frauen in Deutschland erlaubt, ihren Namen und damit nicht weniger als ein Stück ihrer Identität zu behalten, wenn sie es denn wünschen, unabhängig davon, was der Ehemann will. Ein einheitlicher Familienname ist für Eheleute in Deutschland seitdem nicht mehr zwingend notwendig.

In Anbetracht dieser Tatsachen ist es schon ganz schön tief gegriffen, sich über Frauen lustig zu machen, die einen Doppelnamen tragen - ausgesucht haben sich viele den nämlich nicht. Wirklich witzlos ist es allerdings, einer Frau, die solche Sprüche kritisiert, Humorlosigkeit zu unterstellen und ihr zu raten, „in Weimar zu bleiben".

So einige erboste Karnevalisten sollten sich vielleicht ein Beispiel an Möller-Hasenbeck nehmen. Das, was sie da gemacht hat, ist nämlich selbst zutiefst karnevalistisch. Denn Karneval heißt auch, sich gegen die Obrigkeit aufzulehnen, in diesem Fall gegen den Redner auf der Bühne.

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