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Uruguay: Offene Wunden im Musterland

Uruguay gilt als ein Musterschüler der Region: Pro-Kopf-Einkommen und soziale Chancengleichheit sind hoch, extreme Armut existiert im Grunde nicht. Doch hinter der glänzenden Fassade verstecken sich noch offene Wunden der Vergangenheit. Zwischen 1973 und 1985 regierte in Uruguay – wie vielen Ländern Südamerikas – ein autoritäres Regime, das Gewerkschafter, Studenten und linke Politiker inhaftierte, folterte und ermordete. Die Aufarbeitung dieser Zeit läuft bis heute schleppend. Hinterbliebene suchen vergeblich nach den Überresten ihrer vom Regime verschleppten Angehörigen. Und Folteropfer und ehemalige politische Gefangene müssen in der Gesellschaft einen Platz neben denjenigen finden, die sie vor über 30 Jahren einsperrten und quälten. Jannis Carmesin hat den offenen Wunden im vermeintlichen Musterland nachgespürt und ist der Frage nachgegangen, wie viel Vergessen erlaubt ist – und wie viel vergessen werden muss.