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Versicherer als Risikoträger in der Orientierung

Die Assekuranz ist im Wandel. Im Fokus das Risiko-Management, die Kollektive und die Rolle als Kümmerer für Versicherte. Die Risikoträger orientieren sich langfristig neu und denken in Dekaden.


(db) Die deutschen Versicherer verändern, nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), aktuell ihre Geschäftsmodelle als Risikoträger. Niedrige Zinsen, Blockchain und digitale Prozesse, eine veränderte Risikolandschaft und die Reformen des Regulierungsrahmens stellen die Branche vor neue Herausforderungen.

Strategien, Vertragsverwaltung und Versicherungslösungen müssen teilweise angepasst werden. Dies kann im aktuellen Umfeld auch bedeuten, dass einige Versicherer drastisch anmutende Maßnahmen treffen, um zukunftsfähig zu bleiben und die Chancen unter den Einflüssen der Globalisierung nutzen zu können.


„Die Übertragung von einigen Beständen der Lebensversicherung auf Plattformen zur Konsolidierung, die am Markt zu beobachten ist, fällt in diese Kategorie. Unter anderem durch Vorteile der Spezialisierung auf optimierte Prozesse können so Einsparungen in den Kosten möglich werden, die den gesunkenen Kapitalerträgen und damit den Kollateralschäden entgegenwirken, die die extrem lockere Geldpolitik und das vor allem daraus resultierende, historisch einmalige Zinsumfeld mit sich bringen", sagt Klaus Wiener, Chefvolkswirt des GDV.


Die deutschen Versicherer stellen sich der Verantwortung, ihre Leistungsversprechen gegenüber ihren Versicherten vollumfänglich sicherzustellen. Dies wird auch durch den Ordnungsrahmen für den deutschen Versicherungsmarkt abgesichert. Solvency II ist ein hochmodernes Aufsichtssystem. Verbraucherschutz, etwa die strengen Vorgaben zur Beteiligung der Lebensversicherten an den erzielten Überschüssen, sichern die Leistungen an Versicherte. Alle Leistungsansprüche der Versicherten seien dauerhaft geschützt, das gelte laut GDV, auch bei sehr lang laufenden Verträgen und im Falle einer Weitergabe des Vertrags an einen anderen Versicherer.


„Mit ihrem einzigartigen Geschäftsmodell übernimmt die Versicherungswirtschaft eine unentbehrliche Rolle für jede hochentwickelte Volkswirtschaft. Angesichts der aktuellen und zukünftigen Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft, aber auch der vielen Chancen, die insbesondere die Digitalisierung bringt, wird die Branche in vielen Bereichen noch wichtiger werden", so GDV-Chefvolkswirt Wiener.


Digitale Prozesse und Makler helfen

Die Digitalisierung erleichtert den Zugang zu Versicherungsschutz und ermöglicht die Versicherung weiterer Risiken. Mit der Digitalisierung werden die traditionellen Wege zum Versicherungsschutz - insbesondere der persönliche Kontakt zu einem Versicherungsvermittler - durch vielfältige neue Zugangsmöglichkeiten ergänzt. Diese reichen vom direkten Onlineabschluss bei einem Versicherer über Internetportale bis hin zum Abschluss per App eines digitalen Maklers.


Verständliche Kundeninformation

Neue Ansätze und Ideen in der Kundenansprache und der Präsentation von Risiken und passenden Deckungskonzepten können Versicherten den Umgang mit Versicherungsfragen erleichtern und tragen zur Schließung von Versicherungslücken bei.

Kollektiver Schutz als Risikoträger


Für viele Risiken ist die private Versicherung auf der Grundlage des Risikoausgleichs im Kollektiv und weiterer versicherungstechnischer Instrumente wie der Rückversicherung der optimale Weg des Risikoschutzes. Zwei wichtige Bereiche, in denen privater Versicherungsschutz derzeit stark an Bedeutung gewinnt, sind die Naturgefahren und die Cyberrisiken.


Kerngeschäft als Risikoträger

Für die Versicherer ist ein Teil ihres Kerngeschäfts, Risiken einzuschätzen und zu kalkulieren. In Zeiten einer hohen Veränderungsdynamik (Digitalisierung, Klimawandel, gesellschaftlicher Wandel) gewinnt die Rolle der Versicherer als Partner in der Risikoprävention nochmals an Bedeutung. Gleichzeitig helfen neue digitale Technologien (Big Data, neuartige Analysetechnologien) als Handwerkszeug für die Analyse von Risiken.


„Die Versicherungswirtschaft gehört zu den wichtigsten Branchen der deutschen Volkswirtschaft. Versicherer leisten einen wesentlichen Beitrag für die soziale Sicherung der privaten Haushalte und ermöglichen durch die Übernahme von Risiken der Unternehmen wirtschaftliche Aktivitäten und Innovationen und damit letztlich ein höheres Niveau an Wohlfahrt und Beschäftigung", so der GDV-Chefvolkswirt.

Versicherer denken in Dekaden

Dies gelte für die Assekuranz nicht nur im Hinblick auf ihren Umsatz, sondern auch für den Beitrag zum Steueraufkommen oder ihre Arbeitgeber-Rolle. Wichtig seien die zentralen Funktionen der Versicherer als Risikoträger, die eine zukunftsgerechte Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig sichert. Versicherer denken in Dekaden, in Kollektiven und das unterscheidet sie wesentlich in der Rolle als Risikoträger von der kurzfristigen Orientierung der Banken.


Dietmar Braun
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