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Putin und Trump in Hamburg - Was dieses Gipfel-Treffen für die Welt bedeutet

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Beim G20-Gipfel in Hamburg standen sich US-Präsident Donald Trump (71) und Kreml-Chef Wladimir Putin (64) zum ersten Mal persönlich gegenüber. Trotz intensiver und langer Gespräche zeigen die Fotos, wie angespannt das Verhältnis zwischen beiden ist. Eine Person aus der Trump-Delegation hat es Putin aber besonders angetan: First Lady Melania. Ein ganz besonderer Handschlag

Gespannt wartete die Öffentlichkeit auf Trumps Händedruck bei der Begegnung mit Putin. Sein Markenzeichen: Ein heftiger Ruck, mit dem der US-Präsident sein Gegenüber kurz und fest an sich heranzieht. Die Botschaft hinter dieser Geste: Ich hab' hier das Sagen!

Für den russischen Präsidenten hat sich Trump einen besonderen Handschlag überlegt: Erst gibt es einen festen Blick und einen starken Händedruck mit rechts, dann klopft Trump Putin mit der linken Hand von unten auf den Ellbogen.

Putin scheint die Geste zu parieren. Er hebt sofort mahnend den Zeigefinger, als wollte er sagen: Nicht mit mir.

Nach dem Handschlag versucht es Trump noch einmal mit einer Machtgeste: Im Gespräch mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker klopft er Putin fast freundschaftlich auf die Schulter.

Intensives Gespräch zwischen Putin und Trump

Runde zwei im Körpersprache-Machtkampf zwischen Putin und Trump folgt am Nachmittag beim amerikanisch-russischen Treffen. In ihrer Wortwahl bleiben beide Staatschefs zunächst höflich und zurückhaltend. Trump legt vor: „Es ist eine Ehre, mit Ihnen hier zu sein." Putin ähnlich höflich: „Ich bin sehr erfreut, Sie persönlich zu treffen." Telefongespräche seien niemals ausreichend.

Der zweite Handschlag an diesem Tag spricht allerdings Bände: Zwar verzichtet Trump auch dieses Mal auf seinen typischen Ruck, allerdings scheint er etwas in dieser Art auszustrahlen - Putin stützt sich mit dem linken Arm auf der Sessellehne ab, so als wolle er sich gegen eine Ruck-Begrüßung wappnen. Die Gesichter beider Staatsmänner sind angespannt, keine Spur von der Freundlichkeit in ihren Worten.

Nach der verhaltenen Begrüßung läuft die Unterhaltung deutlich besser: Syrien, Nordkorea und Ukraine-Krise - Trump und Putin unterhalten sich so angeregt, dass aus der veranschlagten Stunde zwei Stunden und 16 Minuten werden.

Weder US-Außenminister Rex Tillerson (65) noch First Lady Melania (47) können die beiden Präsidenten trennen und schließlich kommen sie sogar spät zum Abendprogramm in der Elbphilharmonie.

Das gemeinsame Gespräch nennen Putin und Trump später einen vollen Erfolg. Nach Angaben von Minister Tillerson hat Trump mehrmals nachgefragt, inwiefern Russland die US-Wahl 2016 beeinflusst habe. Putin habe jegliche Einmischung abgestritten.

Am Samstag sagte Putin gegenüber Journalisten außerdem: „Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen." Er habe den US-Präsidenten als völlig normalen Gesprächspartner erlebt.

►Die russischen Medien feierten das Treffen der beiden Staatschefs als wegweisend, friedensstiftend, historisch: „Der Handschlag, auf den die Welt wirklich gewartet hat", schrieb die Boulevardzeitung „Komsomolskaja Prawda" und titelte „Putin und Trump finden Weg zum Frieden in Syrien und in der Ukraine".

►Bundeskanzlerin Angela Merkel lobte das Treffen am Samstag bei ihrer abschließenden Presse-Konferenz:„Es kann nur zum Wohle aller sein, wenn es einen guten aufrichtigen ehrlichen Gesprächskanal zwischen Russland und den USA gibt."

Experten-Einschätzung zum Gespräch Experten sind mit ihrer Einschätzung wesentlich zurückhaltender. „Trump und Putin haben bei ihrem Treffen eine Grundlage für eine gemeinsame Kooperation gelegt. Allerdings gehen trotzdem die Positionen beider Länder in so viele Bereichen, wie im Ukraine-Konflikt und in Syrien, so weit auseinander, dass man nicht ausschließen kann, dass die beiden in zwei Wochen nicht schon wieder schwer zerstritten sind", sagte Prof. Thomas Jäger von der Universität Köln.

Viel Gewicht misst der Experte für Internationale Beziehungen und Außenpolitik vor allem Trumps Plan ein, über Syrien eine Flugverbotszone einzurichten. „Eine Flugverbotszone in Syrien sollte in der Vergangenheit immer mal wieder umgesetzt werden, bisher ist das aber gescheitert. Sollte es nun tatsächlich dazu kommen, ist das für Trump und Putin das Signal, dass sie sich gegenseitig vertrauen können und die Vereinbarungen halten, die sie besprochen haben", sagte Jäger.

Wird Melania Trump zur Putin-Flüsterin? Einen besonders freundlichen Austausch zwischen dem Kreml-Chef und dem Trump-Lager gab es aber tatsächlich. Beim Abendessen in der Elbphilharmonie saß Putin neben der amerikanischen First Lady Melania Trump - und fühlte sich dort sichtlich wohl.

Die beiden unterhielten sich lange und angeregt, immer wieder begleitet von einem Lächeln. Zur Verständigung stand dem Kremlchef und der Präsidentengattin ein Dolmetscher zur Seite.

Die verstehen sich aber gut: Beim Tischgespräch in der Elbphilharmonie müssen Melania und Putin immer wieder lächelnFoto: TOBIAS SCHWARZ / AFP

So manchen dürften diese Szenen an die Polit-Serie „House of Cards" erinnern: Während darin der US-Präsident Frank Underwood mit dem russischen Präsidenten Viktor Petrov nicht wirklich gut auskommt, verstehen sich Petrov und die amerikanische First Lady Claire Underwood bestens.

Angeregt tauschen sich Putin und Melania den ganzen Abend lang ausFoto: Pool / Getty Images

Auch die Bilder von Putin mit den Trumps zeigen deutlich, welchen Ehepartner der russische Staatschef sympathischer findet. Vor allem das kontinuierliche Lächeln der beiden Gesprächspartner spricht Bände: Putin tritt als Staatsmann eigentlich immer ernst und gefasst auf, Melania ist für ihren unnahbaren Gesichtsausdruck bekannt.

Das Abendessen in der Elbphilharmonie scheint die Präsidentengattin dagegen sehr beeindruckt zu haben. Noch am Samstag twitterte Melania begeistert: „Mein Mann und ich haben ein schönen Abend mit vielen großartigen Führungspersönlichkeiten genossen." Dinner-Diplomatie: Das verrät die Sitzordnung

Doch nicht nur Wladimir Putin und Melania Trump unterhielten sich angeregt, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel tauschte sich intensiv mit ihren Tischnachbarn Mauricio Macri (58), dem argentinischen Staatspräsidenten, und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping (64) aus.

Die drei haben aber auch einiges zu besprechen. Während Xi Jinping der letzte G20-Gastgeber war, soll Mauricio Macri den nächsten Gipfel 2018 ausrichten. Als Sitznachbarn beim Abendessen können sich die vorherigen und späteren Gipfel-Gastgeber am besten austauschen.

Joachim Sauer, Merkels Ehemann, saß neben der chinesischen Präsidentengattin Peng Liyuan (54). Die beiden hatten sich beim vergangenen G20-Gipfel in Hangzhou bereits gut unterhalten. Gerade Peng Liyuans Gesangskarriere und ihre Ausbildung zur Sopranistin dürften bei Sauer, den mit seiner Frau Angela Merkel auch die Begeisterung für klassische Musik verbindet, großes Interesse wecken.

Weitere angeregte Gespräche gab es zwischen Frankreichs Première dame Brigitte Macron und Xi Jinping sowie Kanadas Premier Justin Trudeau und IWF-Chefin Christine Lagarde. US-Präsident Donald Trump hatte seiner Tischnachbarin, der argentinischen Präsidentengattin Juliana Awada, allerdings nicht sehr viel zu sagen.

Die Sitzordnung beim G20-Gipfel obliegt allein dem Gastgeber. Meist ist es jedoch so, dass die bedeutendsten G20-Teilnehmer besonders nah beieinander sitzen.

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