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In Dresden muss man Kunst bewachen

Aufbau von lampedusa 361 vor der semperoper startet mit wachschutz artikelquer

In Dresdens Altstadt wird nach dem „Monument" am Freitagmorgen eine zweite umstrittene Kunstinstallation aufgebaut. Auf dem Theaterplatz entsteht eine ungewöhnliche Fotoausstellung mit dem Namen „Lampedusa 361". Auf 90 großformatigen Matten werden Fotografien von Flüchtlings-Gräbern auf Sizilien gezeigt. Allein im vergangenen Jahr ertranken auf ihrer Flucht über das Mittelmeer mehr als 5000 Menschen. Die Ausstellung soll die große Leistung der italienischen Gesellschaft dokumentieren, den Opfern einer der großen Tragödien in der Geschichte der Menschheit im Tod ein Stück Würde zurückzugeben.


Nach den massiven Protesten von Pegida-Anhängern gegen das „Monument" am Dresdner Neumarkt sind die Initiatoren von „Lampedusa 361" gewarnt. Der Aufbau der Installation auf dem Theaterplatz wird permanent bewacht und auch während der fünftägigen Ausstellungszeit bis zum 14. Februar wird rund um die Uhr Wachschutz anwesend sein. Die offizielle Einweihung der Installation findet am Freitag um 14 Uhr statt. Dirk Hilbert eröffnet die Ausstellung, für die musikalische Umrahmung sorgt die „Banda Internationale".


Die Organisatoren stellten klar, dass Protest gegen das Projekt selbstverständlich möglich ist. Wenn die Eröffnung allerdings bewusst gestört werde, würden Organisatoren und Polizei das Hausrecht durchsetzen. Zahlreiche Hilfsorganisationen rufen auf, zur Eröffnung zu kommen, um den Projektgegnern nicht das Feld zu überlassen. "Lassen Sie uns dieses Mahnmal vor Beschimpfungen und Drohungen schützen. Lassen Sie uns zusammenstehen gegen Gewalt und eintreten für Respekt", heißt es beim Bündnis "Dresden.Respekt".


Anlass für die Kunstinstallation ist die Vergabe des Dresden-Preises am Sonntag in der Semperoper. Der Friedenspreis, der vom Verein „Friends of Dresden Deutschland" vergeben und von der Klaus-Tschira-Stiftung mit 10.000 Euro dotiert ist, geht in diesem Jahr an Domenico Lucano, der als Bürgermeister von Riace in Kalabrien ein einzigartiges Modell des Willkommens für Flüchtlinge geschaffen hat. Seit 18 Jahren werden die dort aufgenommenen Migranten mit Wohnung, Arbeit sowie Sprachunterricht in das Dorfleben integriert. Von derzeit 1800 Einwohnern kamen 550 als Flüchtlinge.


In diesem Jahr wird zudem ein Sonderpreis an Amalia und Guiseppe Gelardi vergeben. Das Ehepaar hatte im Oktober 2013 Kiflay aus Eritrea in ihrem sizilianischen Familiengrab bestattet. Das 17-jährige Mädchen war mit weiteren 367 Flüchtlingen am 3. Oktober 2013 vor Lampedusa ertrunken.

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