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Klimawandel: Wetterextreme gefährden Mehrgenerationenhaus Wald

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Die Anpflanzungen von Jungbäumen im Sachsenheimer Stadtwald (auf dem Foto) müssen bei großer Hitze künstlich bewässert werden, um zu garantieren, dass der Wald auch in Zukunft bestehen bleibt. © Foto: Helmut Pangerl

Sachsenheims Jungbäume stehen mittlerweile unter lebenserhaltenden Maßnahmen. "Wir bewässern die Jungbäume im Wurzelbereich mit Wasserschläuchen", erklärt Revierförster Burkhard Böer. Anders hätten sie die lange Hitzephase nicht überstanden: "Bei solchen Extrembedingungen liegt die natürliche Ausfallquote bei 80 bis 100 Prozent." Eine Sterberate, die er durch Bewässerung umgehen möchte.

Bei der Hitzewelle handelt es sich um ein Wetterextrem, das dem Revierförster aus den letzten 30 Jahren nicht bekannt ist: "An mehrtägige Hitzephasen mit Temperaturen über 40 Grad kann ich mich nicht erinnern." Besonders darunter zu leiden haben die Jungbäume. Das liegt am Wurzel-Spross-Verhältnis", erklärt Böer. Bei einem 30 Zentimeter hohen Baum dringen die Wurzeln 30 Zentimeter tief. Gerade dieser Teil des Bodens - der sogenannte Oberboden - trockne besonders schnell aus. Eine schwierige Ausgangslage, die sich für die Hälfte der von Böer betreuten jungen Waldkulturen - das entspricht im Sachsenheims Stadtwald einer Fläche von drei Sportplätzen - noch verschärft. Denn sie wachsen auf sogenannten Extremstellen. "Das sind Flächen, deren Böden Probleme mit dem Wasserhaushalt haben", erklärt Böer. Wie zum Beispiel Sandboden, der den ganzen Höhenzug des Strombergs bildet.

Solchen Böden fehlten Feinanteile, die "das Wasser wie einen Schwamm aufsaugen können", versinnbildlicht Böer. Daher drainiere das Wasser weg in tiefere Lagen.

Jungbäume besonders betroffen

Schwer haben es die Jungbäume auch auf Tonböden, die im Sommer mit der Trockenheit schnell aushärten. In dem steinharten Grund bilden sich dann handbreite, bis zu 30 Zentimeter tiefe Trockenrisse. Gräben, die den Boden zusätzlich austrocknen lassen. Tonböden finden sich vor allem im Kleinsachsenheimer Waldteil Großholz. Böer schaut deshalb ganz genau hin. Welche Jungbäume stehen auf Problemflächen? Wie entwickelt sich das Klima? Dazu analysiert der Revierförster Wetterdaten. Im Extremfall greift er ein und bewässert die Jungbäume, denn sie sind die Zukunft des Waldes. "Sie müssen sich den Wald als ein Mehrgenerationenhaus vorstellen", erklärt Böer. Die Zukunft dieses Mehrgenerationenhauses sei, so Böer, "wie bei uns Menschen auch, der Nachwuchs".

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