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Band der Woche: Felly

Credit alex jeskulke 809x1190

Foto: Felly von Alex Jeskulke

Viele Musikgenres lassen sich unter anderem dadurch unterscheiden, welche Bedeutung sie dem textlichen Charakter beimessen. Jimi Hendrix' Gitarrenriffs zum Beispiel stehen für sich, während für Bob Dylan eher die Texte als der Gesang sprechen. Im Hip-Hop gibt es zwei Subgenres, die beide jeweils eine Seite bedienen: Rap und Trap. Gerappte Textzeilen kommen manchmal moderner Poesie gleich, Trappassagen dagegen sind so etwas wie der Dadaismus der gesprochenen Beat-Musik. Es muss nicht unbedingt Sinn ergeben, solange es Flow hat und ins repetitive Gewand passt.

Solche Lyrics haben zum Teil auch die Tracks des Münchner Rappers Felly, 25. Das liest sich dann so: „Ibrahimovic, Ibrahimovic. Du weißt, wer der Primo ist", oder auch: „Sie hat Saft, sie hat Saft, sie hat Arsch wie ein Flixbus, sie hat Saft." Aha. Viel kreativere Umschreibungen eines wohlgeformten, weiblichen Pos dürften sich jedenfalls kaum finden lassen - ob dieser Nonsens auch Frauen gefällt, sei dahingestellt. „Manch einer mag das vielleicht als Beleidigung ansehen", sagt Felly, „aber eigentlich sollte schon klar sein, dass es sich dabei um ein Kompliment handelt. Ein breiter Arsch kann ja auch sehr anziehend sein."

Wer wiederum verstehen will, wieso der Münchner Rapper Felly im vergangenen Jahr quasi aus dem Nichts zu deutschlandweiter Bekanntheit gekommen ist, muss ein Konzert von ihm besuchen - mit einer Energie von drei Auftritten, irgendwo zwischen Frontsänger und Hype-Man und mit einer stimmlichen Gewalt, dass er nach vielen Shows gar nicht mehr richtig sprechen kann. Unterstützt wird er von seinen Aufputsch-Beat-Lieferanten, die sich die Drunken Masters nennen. „Momentan bin ich einfach an einem Punkt, wo ich vor allem auch darauf schaue, wie gut ein Song live funktionieren wird." Oder, dass ein Song allgemein funktioniert.

Viele seiner bisherigen Songs sind aus momentanen Eingebungen oder Freestyle-Einlagen entstanden. „Ich war gerade am freestylen, was sich auf Ibrahimovic reimt, und dann kam eben Klitoris. So etwas entsteht aus der Spontanität heraus und manchmal findet man es lustig und manchmal lässt man es weg. In dem Fall haben wir es halt drin gelassen. Aber man will natürlich niemand angreifen, das ist einfach nur auf Dicke-Hose-Machen", sagt er.

Wer solche Ausdrücke pikiert überinterpretiert, hat nicht nur das Genre als solches, sondern auch Fellys Auftrag nicht verstanden. Der will einfach Musik machen, die man zelebriert, die zum Ausrasten antreibt, kurz: Die man fühlt. Felly will Spaß machen. Was nicht bedeutet, dass er ein Pausenclown ist oder sich keine Gedanken macht. Abgesehen von seinen Auftritten und seinen Aktivitäten bei Radio 80000 erscheint der Lockenkopf als ruhige, reflektierte Persönlichkeit. Aber es gibt eben noch den anderen Teil seines Charakters, den extrovertierten Part. Der als Kunstfigur Felly mit maximaler Strahlkraft auftritt, während er im Alltag gar nicht so sehr im Rampenlicht stehen will. Dazu passt es auch, dass er mit privaten Informationen - wie etwa seinem richtigen Namen - eher nicht hausieren geht. Der Bühnen-Felly ist da ganz anders: „Natürlich übertreibe ich auch gerne mal oder fühle mich tatsächlich wie der Größte. Ich glaube, dass eigentlich die meisten Menschen so eine Seite an sich haben - nur lassen sie die wenigsten wirklich raus."

Noch einmal als Beispiel sein Hit „Ibrahimovic". Die Hook ist so eingängig und absichtlich überspitzt größenwahnsinnig, sie verleitet dazu, sich selbst kurz wie eine Legende zu fühlen. Auch hier von großer Hilfe: Die beiden Drunken Masters. Sie haben den Nachwuchs-Künstler entdeckt und für ihn Beats gemacht. Auch auf der aktuellen Single „Dich Mag Keiner", mit Gast-Rapper Carsten Chemnitz alias Felix Brummer von Kraftklub, ist alles vom DJ-Duo maßgeschneidert produziert. Kraftvoll, mit Dub-step- und Techno-Elementen und Auto-Tune-Passagen.

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