Dirk Kunde

Technologie-Journalist, Hamburg

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Artikel

Testfahrt mit dem I-Pace von Jaguar

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Jaguar I-Pace auf dem Genfer Autosalon 2018

"Wir haben den Elektroantrieb ins Extrem getrieben", sagt Wolfgang Ziebart, Technical Design Director bei Jaguar, voller Stolz über den I-Pace. Ziebart steht im Regen neben einer Teststrecke am Genfer Flughafen. Zusammen mit Designer Ian Callum hat das Team das SUV von Grund auf neu entwickelt und nichts genutzt, was es bereits in den Jaguar-Werkshallen gibt. Das Ergebnis darf ich gemeinsam mit anderen Journalisten auf einem abgesperrten Hütchenparcours ausprobieren.

Hier geht es um Agilität und nicht um Geschwindigkeit. Das 2,1 t schwere SUV macht sich bestens auf dem nassen Boden. Dank Allradantrieb, tiefem Schwerpunkt, langem Radstand und intelligenter Software bricht der Wagen in den engen Kurven nie aus. Tempo kann das Fahrzeug aber auch. In 4,8 Sekunden beschleunigt es auf 100 km/h und schafft bis zu 266 km/h in der Spitze. Die zwei Permanentmagnet-Motoren liefern zusammen 294 kW (400 PS) und ein maximales Drehmoment von 696 Nm.

Laut dem internationalen Testzyklus WLTP schafft man mit dem 90-kW-Lithium-Ionen-Akku 480 km. Dann muss das Auto mit einem Typ-2-Stecker (normal schnell) oder einem CCS-Stecker an eine Schnellladesäule. Der Hersteller verspricht eine Aufladung von 0 bis 80 Prozent in 40 Minuten. Dabei gehen die Briten allerdings von 100 kW Gleichstrom aus, doch bislang liefern öffentliche Schnellladesäulen lediglich 50 kW.

Meine Aufgabe auf dem Parcours ist es, immer das Hütchenpaar zu durchfahren, das gerade grün aufleuchtet. So sind die Augen auf die Strecke fixiert. Doch ein ruhiger Blick durch den Innenraum lohnt sich: Das Glasdach sorgt auch an Regentagen für viel Licht. Jaguar verwendet bewusst etliche Knöpfe und Drehräder, beispielsweise zum Abrufen gespeicherter Sitzpositionen. Nicht alles funktioniert über Touchscreens wie bei Wettbewerbern. Dabei gibt es zwei Bildschirme in der Mittelkonsole und einen hinter dem Lenkrad. Am beeindruckendsten finde ich das Head-up-Display, bei dem die aktuelle Geschwindigkeit, das Tempolimit und die Richtungsanzeige über der Motorhaube zu schweben scheinen.

Nach dem Einsteigen fahren die Türgriffe ein und verringern so den Luftwiderstand. Ian Callums Design sorgt für einen CW-Wert von 0,29. Bei Geschwindigkeiten über 105 km/h senkt sich die Aluminiumkarosserie automatisch um 10 mm ab, um Verwirbelungen zu vermeiden. Die Lamellen im Grill rund um das Herstellerlogo leiten Luft zum Kühlen an die Batterie. Wird die nicht benötigt, strömt die Luft unter der Haube entlang und durch Schlitze wieder nach außen.


Der Akku besteht aus 432 Pouch-Zellen, aufgeteilt in 36 Module. Anders als bei zylindrischen Zellen sind die leitenden Schichten flach gefaltet. Man kann sich das vorstellen wie einen Streifen Papier, der zur Ziehharmonika gefaltet wird. Ziebart sieht den Vorteil im Volumen. So passt mehr Leistung in den Fahrzeugboden. Die Zellen stehen auf einer Kühlplatte, so dass die Wärme nach unten abgeleitet wird.

LG liefert die Akkus. Gefertigt wird der I-Pace im österreichischen Graz bei Magna Steyr. Eine Entscheidung, die laut Ziebart aus der Zeit vor dem Brexit stammt. "Wir mussten entscheiden: Investieren wir in Stahl und Beton für ein neues Werk oder in Fahrzeugtechnik", sagt der Deutsche. Auch der Jaguar-Chef Ralf Speth hat einen deutschen Pass. Die britische Automarke ist international aufgestellt, schließlich ist sie ein Tochterunternehmen der indischen Tata Motors.

Nerds und Komfortliebhaber werden die App zu schätzen wissen, mit der man den Wagen vorheizen kann. Sie zeigt auch den Ladezustand der Batterie an. Für diese Funktion gibt es auch ein Skill für Amazons digitalen Assistenten Alexa. Ein 4G-WLAN-Hotspot im Fahrzeug sorgt für Konnektivität, und sechs USB-Anschlüsse versorgen die mitgebrachten Geräte mit Strom. Über den Hotspot werden auch Updates von Jaguar eingespielt.

Gerne hätte ich den Parcours in Genf verlassen, um den I-Pace auf der Autobahn auszufahren, denn die kurze Fahrt macht Lust auf mehr. Das Fahrzeug kombiniert den Komfort eines SUVs mit den Vorteilen eines Elektroautos: Ruhe und beeindruckende Beschleunigung. Der I-Pace ist Teil der SUV-Familie F-Pace und E-Pace, klassische Verbrenner. Das Elektroauto wird von Jaguar in drei Ausstattungsvarianten angeboten. Die Preise starten bei knapp 78.000 Euro. Es kann bereits bestellt werden

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