David Torcasso

Business Journalist, Berlin/Zürich

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Artikel

Die Welt debattiert über die Vollgeld-Initiative

Vollgeld initiative

Vollgeld-Initianten damals bei der Unterschriftensammlung.

Mit der Vollgeld-Initiative präsentiert die Schweiz eine radikale Idee. International wird diese erstaunlich ernsthaft diskutiert.


Die Schweiz liefert der Welt bei Abstimmungen immer wieder visionäre Ideen. Darüber schreibt die internationale Presse gerne. Etwa bei der Abstimmung über das bedingungslose Grundeinkommen vor ziemlich genau zwei Jahren, jetzt über die Vollgeld-Initiative. Auch wenn die Annahme der aktuellen Initiative eher unwahrscheinlich ist, wirft die direkte Demokratie gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragen auf.


Die radikale Idee, einer Nationalbank das Geldschöpfungsmonopol zu überlassen, sorgt weltweit für Diskussionen und wird vor allem jetzt, in den Tagen vor der Abstimmung am 10. Juni, von den internationalen Medien vermehrt aufgegriffen. Es scheint, am kommenden Wochenende schaut die ganze Finanzinformationsweltauf die Schweiz.


Financial Times

Eine besonders prominente Stimme hatte sich am Mittwoch geäussert: Der "Financial Times"-Chefökonom Martin Wolf hat der Vollgeld-Initiative seinen Segen gegeben. Die "FT" ist eines der bedeutendstenWirtschaftsmedien der Welt und eigentlich die grosse Stimme des Wirtschafsliberalismus. Trotzdem hat Wolf mit dem Titel "Why the Swiss should vote for ‹Vollgeld› " ein klares Statement gemacht.


FAZ, Handelsblatt, Manager Magazin und Wirtschaftswoche

Mit dem heroischen Titel "Ein neues Geldsystem für die Welt" erstellte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", eine wichtige Wirtschaftsstimme Deutschlands, einen langen Erklär-Artikel rund um die Initiative und bespielte das Lesestück mit zahlreichen Videos. Ähnlich titelt das Handelsblatt in Deutschland: "Die Schweizer stimmen über eine Finanz-Revolution ab". Dabei lässt die grösste Wirtschaftszeitung von Deutschland eher die Kritiker der Initiative zu Wort kommen.

Aus der Invest-Perspektive kommt die wöchentlich erscheinende Wirtschaftswoche in einem Gastartikel daher. Thomas Polleit, Chefvolkswirt der Degussa und volkswirtschaftlicher Berater des P&R Real Value Fonds schreibt: "Woher soll die Vollgeld ausgebende Zentralbank wissen, wieviel Geld die Volkswirtschaft benötigt wird? Soll die Geldmenge um zwei, vier oder acht Prozent pro Jahr wachsen, damit die Volkswirtschaft prosperiert?"

Das Manager Magazin spricht gar von einer Schweizer Lösung für die Europa-Zone und schreibt: "Am Sonntag stimmen die Schweizer über eine radikale Reform des Geldsystems ab. Die Schweiz braucht diese Revolution nicht zwingend. Für den Euro könnte sie die letzte Rettung sein."


Wall Street Journal

Bereits vor rund einer Woche titelte das Wall Street Journal: "Ein Votum zum Ende der Banken, wie wir sie kennen" in einem Artikel über die Vollgeld-Initiative. Und wurde bereits im Lead philosophisch: Ein Land, das ein Synonym für Finanzen ist, führt ein Referendum durch, bei dem sich die Wähler fragen müssen: Was ist Geld überhaupt? Diese Abhandlung ist aber nur ein Artikel aus einer Reihe von Stücken, welche die führende amerikanische Wirtschaftszeitung über die Vollgeld-Initiative geschrieben hat. Beispielsweise äussert sich die Zeitung auch in diesem Artikel über den Patt des Finanzplatzes Schweiz.


CBNC

Das heisse Eisen "Vollgeld" hat auch den Weg zu CNBC, dem amerikanischen Wirtschafts-Fernsehkanal, der rund 400 Millionen Menschen weltweit erreicht. In einem Artikel von Mittwoch schreibt das Medium: "Die Schweizer Wähler entscheiden am Sonntag, ob das Land zu einem so genannten souveränen Geldsystem wechseln soll".


The Australian

Das Thema hat es auch um die halbe Welt in einen weit entfernten Ort geschafft. Auf des Schweizers Lieblingsdestination Australien. Dort schreibt das Blatt "The Australian" aber sehr sachlich, dass die Schweizer über die Geldschöpfung durch Banken abstimmen.

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