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Revolution mit Nadel und Faden

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Lasst uns alle Umwelt-Fundamentalisten werden", sagt Rose Marcario. Klingt bedrohlich, aber tatsächlich meint die Geschäftsführerin der Bekleidungsfirma Patagonia etwas ganz anderes. Alles, was man dazu aus ihrer Sicht braucht, sind Nadel und Faden. Denn das Reparieren von Kleidung ist auf gewisse Weise zum radikalen Akt geworden. Etwa die Hälfte der Deutschen hat noch nie Kleidung zum Schneider gebracht. Das ergab eine repräsentative Greenpeace-Umfrage im vergangenen Jahr. Bei gerissenen Nähten wird nicht repariert, sondern neu gekauft. Kein Wunder, kostet ja auch kaum was. Aber dass Mode so billig ist, hat seine Gründe. „In unserer Zeit kurzlebiger Mode und rasch fortschreitender Technologie ist es fast unvorstellbar, Dinge zu reparieren, statt sie einfach wegzuwerfen. Doch die Auswirkungen sind enorm", sagt Marcario. "Ich sage Ihnen das als Geschäftsführerin einer Bekleidungsfirma, die trotz großer Bemühungen um eine nachhaltige Produktion noch immer mehr von der Erde nimmt, als sie zurückgibt." Das gilt um ein Vielfaches mehr für Billigwaren, die teils mit giftigen Chemikalien und unter zweifelhaften sozialen Bedingungen produziert werden.

Die Mehrheit der Verbraucher weiß das und verlangt in Umfragen regelmäßig von Modefirmen Engagement in Sachen „Fair Fashion". Auf die Idee, daneben auch selbst aktiv zu werden, kommen dagegen nur dei Wenigsten. Enorm hat zusammengetragen, welche Wege es gibt, auch als Einzelner für mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank zu sorgen:

Beim Hersteller beschweren

Nach zwei Mal tragen, fällt bei der Bluse ein Knopf ab und am neuen Pullover löst sich nach einer Woche schon eine Naht - das ist bei Fast Fashion keine Seltenheit, und darüber darf man sich ärgern. Aber man kann auch etwas dagegen tun: Es lohnt sich, einfach mal beim Hersteller anzurufen. Wird gute Qualität gefordert, wird der Markt sie liefern. Der Konsument hat Macht, das gilt auch für die Textilindustrie.

Reparieren lassen

Liebe - nämlich Liebe zur Jeans - nennt es Tatjana Gali. Sie hat sich mit ihrem Unternehmen Jeans-Doktor zum Ziel gesetzt Lieblingshosen zu retten. Wie Gali gibt es viele andere, die ähnliche Dienstleistungen anbieten, seien es Lederateliere, Schuster oder die klassische Nähstube.

Selber zu Nadel und Faden greifen

Wem der Schneider um die Ecke zu teuer ist, sollte mal versuchen, abgefallene Knöpfe oder gerissene Nähte selbst zu reparieren. Denn tatsächlich ist es nicht besonders schwer. Wer keine Grundkenntnisse hat, kann heute unzählige Youtube-Tutorials finden, die einfache Reparaturen Schritt für Schritt erklären. Und auch Patagonia bietet gemeinsam mit der Reperaturplattform iFixit zahlreiche kostenlose Anleitungen an.

Tauschbörsen

Im Kleiderschrank muss keine Langeweile herrschen. Das Internet macht es so einfach wie nie zuvor, nachhaltig frischen Wind in die Garderobe zu bekommen. Auf Tauschbörsen wie Kleiderkreisel lässt sich vom Rock bis zur Jeans einfach suchen, mit Flohmarktapps wie Shpock lässt sich herausfinden, wer in der Region verkauft, was man gerne möchte. Startups wie die Kleiderrei bieten gar jeden Monat eine Box mit stylischen Teilen, die nach Rückgabe wieder einen anderen Menschen erfreuen. Und doch hat laut Greenpeace-Studie die Hälfte der Deutschen noch nie Kleidung weiter verkauft. Auch Alternativen wie tauschen oder leihen sind für die große Mehrheit noch immer sehr exotisch. Das bedeutet aber auch: hier hat man die Chance, mal ein echter Trendsetter zu sein.

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