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Plattform für mutige Labels

David bremond eucurio 1340

Wer durch die Innenstädte Deutschlands läuft, bekommt schnell den Eindruck, dass es außer H&M, Primark und Zara kaum etwas anderes gibt. Massenware, die in Bangladesch oder China zu oft schlimmen Bedingungen hergestellt wurde. Die Mechanismen der Modeindustrie - jedes Jahr wieder billiger zu produzieren und teurer zu verkaufen - kennt David Bremond nur zu gut. Der Franzose mit irischen Wurzeln arbeitete ursprünglich bei einem großen Sportartikelhersteller, doch irgendwann kamen ihm Zweifel. Schließlich gründete er das Münchner Start-up eucurio, mit dem er einen Kontrast zur globalen Modeindustrie setze möchte. „Mir ging es um Fairness, um Design aus Leidenschaft und um Authentizität. Ich war auf der Suche nach Menschen, die den Willen haben, einen schwierigen Weg zu wählen, weil ihnen die Welt nicht egal ist."

Bremond fand überall in Europa junge Designer, die Alternativen zu „Fast Fashion" bieten. Kleine Modelabels, die Mode als ehrliches Handwerk betreiben und dafür weder Menschen noch Umwelt ausbeuten. Labels, die in limitierter Auflage produzieren mit der Mission, Lieblingsstücke erschaffen, die jahrelang getragen werden. All diese kleinen Unternehmen haben die gleichen Probleme: bei der Werbemacht der Großen beachtet zu werden und über die eigene Region hinaus Bekanntschaft zu erlangen. Über Bremonds Online-Plattform sollen die unabhängigen Labels aus Europa mehr Reichweite erzielen und die Chance erhalten, ihre kleinen Kollektionen im Verbund mit anderen anzubieten. Mit dabei sind zum Beispiel die Norweger von Livid Jeans, die 18 Monate an ihrer ersten Hose gearbeitet haben. Oder die Franzosen von Olow, die ihre Shirts als Plattform für junge Künstler hergeben.

„Meine Eltern waren Künstler, sie haben für ihre Kunst gelebt und gelitten. Ich bewundere sie für ihren Mut, ihren eigenen Weg zu gehen. Irgendwann konnte ich selbst nicht weiter leblos mit schwimmen in der Modebranche. Ich musste raus aus der Komfortzone und etwas tun, das mir wertvoll scheint", erklärt David Bremond seine Beweggründe. Ihm gehe es auch darum, Europa zu mitzugestalten: Flüchtlings- und Griechenlandkrise hätten gezeigt, wie uneins das politische Europa ist. „Solidarität hört bei der großen Mehrheit der politischen Führungen auf. Dabei liegt in einem gemeinsamen Europa so viel kreatives und soziales Potenzial. Wenn wir Europa wollen, müssen wir es selbst in die Hand nehmen", sagt Bremond. Eucurio sei sein erster Schritt, um Europa von unten zusammenbringen.

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