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Online-Test: Was bieten Lübecks Ämter?

Zehn Minuten: Mein Einkauf im Internet ist erledigt. Fünf Minuten: Meine Miete per Online-Banking ist überwiesen. Nur im Stadtteilbüro heißt es noch immer „Bitte warten!". Doch das in Travemünde ist inzwischen geschlossen, andere stehen auf der Streichliste. Können die Bürger stattdessen Verwaltungs-Angelegenheiten im Internet regeln, um lange Wege zu sparen? Die beiden LN-Mitarbeiter Isabelle Brozio (17) und Christoph Krelle (25) haben die offizielle Website der Lübecker Stadtverwaltung auf Herz und Nieren geprüft.

Test 1 - neuer Ausweis: Ruft der User die Internetseite „luebeck.de" auf, erwartet ihn eine unübersichtliche Navigation. Die vielen Wahlmöglichkeiten und Querverweise verwirren mehr, als dass sie helfen. Andere Städte wie Hamburg oder München sortieren ihre Kategorien nach Themen, nicht nach den Bereichen der Verwaltung. Um einen neuen Ausweis zu beantragen, braucht man den Kontakt zur Meldestelle, aber wie? Der User muss unterscheiden können, zu welchem der fünf Fachbereiche sein Anliegen gehört. Schließlich ist der richtige Link unter „Meldewesen" gefunden. Dort gibt es Informationen zur Abwicklung. Den Antrag direkt im Netz zu stellen, funktioniert jedoch nicht. Auch ein Formular zum Ausdrucken sucht man vergeblich.

Test 2 - Kfz-Zulassung: Die Suche nach einem Antrag wird durch das Behördendeutsch deutlich erschwert. Zur Kfz-Zulassung finden sich nämlich 30 verschiedene Verweise. Dass es sich hier ausgerechnet um „nicht verkehrslenkende Maßnahmen" handelt, ist nicht sofort nachvollziehbar. Wohl gemerkt: Mit der Google-Suche und zwei Schlagwörtern ist der User in nur 0,34 Sekunden um Welten schneller am Ziel. Wer ein Wunschkennzeichen möchte, muss auf der Lübeck-Seite erst einmal 35 Zeilen lesen, um dann einen kleinen Link zu finden. Immerhin kann die Reservierung online geschehen, doch der Antrag zur Zulassung bedarf nach wie vor des persönlichen Besuchs im Amt.

Test 3 - Anwohnerparkausweis: Besonders problematisch gestaltet es sich, den Antrag für einen Parkausweis zu finden. Voraussetzung dafür ist, zu wissen, dass „Planen und Bauen" nicht nur etwas mit Bauherren zu tun hat, sondern auch mit Parken. Genauso gut hätte der Antrag auf einen Bewohnerparkausweis auch zum Bereich „Umwelt, Sicherheit und Ordnung" gehören können. Anschließend gelangt man zum Verweis „Verkehr", der aber immer noch keine Inhalte offenbart. Ein einzelner Link ist vorzufinden: „Straßenverkehrsbehörde". Das ist überflüssig. Wenigstens lässt sich der Antrag als PDF- Datei drucken und per Fax oder Post einreichen.

Das Fazit: Die Seite luebeck.de benötigt dringend eine Grundsanierung. Neben der Nutzerfreundlichkeit, einer verständlichen Sprache und logischen Verweisführungen fehlt es der Seite vor allem am Interaktiven. Anträge sind als PDF-Dateien sogar nur zum Teil verfügbar. Davon abgesehen ist zu wünschen, dass ein direkter Kontakt mit der Verwaltung im Internet möglich wird.

Vor allem für Neubürger ist es schwierig, sich zurechtzufinden: Diese werden über einen Umweg auf die Kampagnen-Seite wohlfuehlhauptstadt.de geschickt. In der Erwartung, dort eine An- und Ummeldung vollziehen zu können, werden sie enttäuscht. Hier gibt es nur allgemeine Informationen, aber Kontaktdaten oder nähere Hinweise zum Ablauf fehlen. Stattdessen findet sich wieder nur ein Link - zurück auf die Seite luebeck.de. Wohlfühlhauptstadt? Vielleicht, aber nicht im Internet!

Text: Isabelle Brozio und Christoph Krelle

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