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Max Mara: "Es ist die Frau, die die Mode interpretiert und nicht umgekehrt"

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Nicola Gerber Maramotti zählt zu den einflussreichsten Frauen im italienischen Mode-Business. Als Retail-Chefin von Max Mara steht sie an der Spitze einer Marke, die im Vorjahr über eine Mrd. Euro Umsatz machte und damit zu den wichtigsten italienischen Modefirmen weltweit zählt. Kein Wunder, dass die Max Mara Fashion Group mit über 2.000 Shops weltweit (darunter auch Sportmax und Marina Rinaldi) in der Branche als "stiller Riese" bezeichnet wird. Wir trafen die gebürte Deutsche zur Eröffnung des neuen "Max Mara"-Flagship Stores in Wien und sprachen mit ihr über Stilfragen, Veränderungen in der Modebranche und ihren Einsatz für die Gleichberechtigung von Frauen in der Filmwelt. Zur Eröffnung des Shops wurden keine Kosten und Mühen gescheut. Ist es tatsächlich der erste Store von Max Mara in Wien?

Ja, kaum zu glauben. Wir sind mittlerweile in ganz Europa und weltweit mit großen Flagshipstores vertreten - mittlerweile in mehr als 105 Ländern. Nicht in Wien zu sein war einfach nicht vertretbar. Ich habe persönlich seit sechs Jahren nach einem Standort gesucht und habe vor einem Jahr dieses wunderbare Gebäude gefunden. Wir sind sehr glücklich über dieses Resultat. Es soll ein Ort sein, an dem sich die Wienerin wohlfühlt. So warmherzig wie die Wienerin ist, so soll das Geschäft auch rüberkommen.

Wie passt der eher cleane und zurückhaltende Wiener Stil zu dem Konzept von Max Mara?

Der Wiener Stil entspricht in gewisser Weise der Mentalität unserer Familie. Wir sind ja auch ein Familienunternehmen und werden von der Presse gerne als „stiller Riese" bezeichnet. Gerade diese Bezeichnung passt wohl wirklich besonders gut zu Wien.

Wie erklären Sie sich den lang anhaltenden Erfolg einer solchen Traditionsmarke wie Max Mara?

Ich glaube, das begann schon mit meinem Schwiegervater Achille Maramotti, der die Firma 1951 gegründet hat. Seine erste Kollektion war ein Kamelhaarmantel und ein geranienrotes Kostüm - daraus sind heute 19 Kollektionen geworden, die auf der ganzen Welt verkauft werden. Es war immer schon unsere Mentalität nach vorne zu sehen, modern zu sein und Stile neu zu interpretieren. Allerdings sollte immer auch ein gewisser Chic und eine Eleganz dabei sein, die die Max Mara Frau für jeden erkennbar macht. Ich erkenne unseren Stil unter allen Stilen und bin sehr stolz darauf. Jede Frau sieht in unseren Looks selbstbewusst aus, weil sie sich wohlfühlt - sie ist sich nicht unsicher. Sie weiß, dass was sie trägt, auch noch morgen und im nächsten Jahr getragen werden kann und diese Modernität haben wir auch versucht über die Jahre beizubehalten. Das macht, denke ich, auch den Erfolg aus. Man ist koherent, man verändert sich nicht. Da wo sich so viel auf dem Markt verändert und viele Firmen ihr Gesicht im Laufe der Jahre verändern, haben wir es beibehalten und darauf sind wir ganz stolz.

Bleiben wir vielleicht gleich beim Thema Veränderung. Davon hat es ja in der Modebranche in den letzten Monaten sehr viel gegeben. Viele namenhaften Firmen beginnen ihre Ware schon vom Laufsteg weg zu verkaufen, große Designer verlassen Traditionsmarken, weil der erfolgsdruck zu groß scheint. Macht das die Mode, wie wir sie kennen, zunichte?

Man muss bedenken, dass alles, was am nächsten Tag verkauft werden kann, eigentlich ein Jahr davor schon erfunden worden ist. Das heißt, es ist in diesem Sinne nicht mehr „neu". Ich glaube aber an das Neue und ich glaube an den Trend. Und dieser Trend entsteht in gewissen Momenten. Man kann daher nicht behaupten, das etwas, das vor einem Jahr geplant wurde, nun wieder Trend ist. So etwas ist einfach nur eine Marketing Geschichte, an die ich persönlich nicht unbedingt glaube. Das Schöne an der Mode ist, dass man den Moment erlebt und erst in dem Moment, in dem man spüren darf, was über die Fashion Shows läuft, der Trend entsteht. Und dann muss man eben ein Momentchen warten, bis es verkauft wird. Da ist natürlich immer das Risiko dabei, dass man es dann hinterher von einem Zara kopiert sieht.

Stört Sie das denn gar nicht?

Ja. Aber andererseits, ist alles, was kopiert wird, immer gut. Solange wir kopiert werden, können wir sagen, dass wir im Trend liegen. Dann ist es eben auch für ein paar jüngere Mädchen erschwinglich und dagegen hätte ich nichts.

Wenn Sie den Stil der Max Mara Frau beschreiben müssten, wie wäre der?

Wir haben immer gesagt, dass Max Mara für alle Frauen ist und jede Frau ihren eigenen Stil interpretiert. Es ist nicht die Mode, die die Frau interpretiert, sondern die Frau, die die Mode interpretiert und daran glaube ich. Jede Frau ist verschieden und jede Frau möchte anders wirken. Und deswegen ist es ja kein vorgegebener Stil. Man muss auch mischen dürfen.

Mit Max Mara setzen Sie sich auch stark für die Gleichberechtigung von Frauen in der Filmbranche ein. Warum ist Ihnen dieses Thema ein Anliegen? Ist das Thema Ungleichberechtigung ein generelles Problem, dass Sie in der Mode- und Filmbranche beobachten?

Mittlerweile sind wir jetzt schon seit elf Jahren als Sponsor bei der "Women in Film"-Kampagne involviert. Wir haben immer daran geglaubt, dass es wichtig ist, Frauen zu unterstützen. Wir machen Frauenmode und deswegen haben wir uns bewusst Projekte gesucht, die Frauen unterstützen - in der Kunst- oder Fashionszene oder auch in der Filmszene. Women in Film unterstützt Frauen im Filmbusiness, in der Produktion, Fotografie oder der Schauspielerei. Wir haben daher auch den Max Mara "Face of the Future"-Award ins Leben gerufen, mit dem wird jährlich eine Schauspielerin auszeichnen, die kurz vor dem Durchbruch steht. Dieses Jahr wird er beispielsweise an Game of Thrones-Schauspielerin Natalie Dormer vergeben.

Wenn wir einen Blick in die Zukunft der Modebranche werfen. Was wird, Ihrer Meinung nach, wichtig werden?

Eher im Film. Im Filmbusiness haben die Männer schon große Überhand, vor allem in der Filmproduktion und der Regie. Wenn ich mit den Schauspielerinnen persönlich spreche, kommt es ganz klar durch, dass es immer noch so ist, dass der Großteil des Filmbusiness in Männerhand liegt und es für Frauen sehr schwer ist, sich zu behaupten. Da hilft Women in Film mit, um dafür zu sorgen, dass zumindest Gleichberechtigung herrscht. Ich bin nicht dafür, dass Frauen eine Quote oder sowas haben müssen, denn es sollte immer auf das Talent ankommen. Aber es ist wichtig, dass diejenigen, die Talent haben, auch gesehen und gefördert werden.

Es gilt weiterzumachen, modern zu bleiben und die junge Kundin für uns zu gewinnen. Wir möchten online aktiver werden - das versuchen aber gerade alle. Wir möchten, dass die DNA der Marke in gleicher Form online und offline kommuniziert wird. Heute geht alles sehr schnell und es muss noch Oasen - wie dieses Geschäft- geben, das Emotionen und Leidenschaft erweckt. Und die erweckt man nicht unbedingt mit einem Foto, das man beim Online-Shoppen am Sofa sitzend sieht. Wir Frauen sind doch sehr sensibel und jeder möchte auch Momente haben, in denen er gute Beratung bekommt. Sodass, wenn die Kundin aus dem Geschäft herausgeht, sie sich wohlfühlt und nicht das Gefühl hat, ihr wurde etwas aufgezwängt. Ich glaube immer noch an Wärme und an Kommunikation zwischen den Menschen. Deswegen wird es immer auch beides, also On- und Offline Shopping, geben. Und wer weiß, ob nicht irgendwann auch ganz das Offline-Shoppen wieder ganz stark zurückkommt? Ich glaube, dass es da auch eine Gegenbewegung geben wird. So wie man eben auch wieder alte Plattenspieler kauft.

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