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Column

Eine Münchnerin in Hamburg

Kolumne für den Blog des Ankerherz-Verlags (mittlerweile offline)

Eine Münchnerin in Hamburg. Ob das gut gehen kann, daran habe ich nie gezweifelt. Mal abgesehen davon, dass Wind und Wetter die Überflüssigkeit einer Frisur zeigen, tat mir die kalte Brise für die Zeit meines Aufenthaltes sehr gut. Und meine Klein-Mädchen-Ängste wurden ganz nebenbei weggespült.

Drei Monate war ich nun hier und habe nicht das Gefühl gehabt, nur mal auf der Durchreise gewesen zu sein. Nein, mein Herz hat mich hier hergezogen, also bin ich gefolgt. Kompromisslos und mutig, so, wie ich es gelernt habe. Was folgte, war mein Anker, der ganz begeistert war von der neuen Anlegestelle. Raus aus dem Alltag und aus der Gewohnheit, hoch in den Norden und rein ins Neue. Ich hatte nicht mal Angst, irgendetwas könnte nicht funktionieren.

Und alles hat funktioniert. Wegen der Liebe habe ich gepackt und für eine gewisse Zeit allem, was ich kannte, den Rücken gekehrt. Sie hat mich nicht enttäuscht, sondern dahin getragen, wo ich hin wollte. Und dabei geholfen, im wichtigsten Hafen, nämlich meinem eigenen, anzukommen.

Ich habe gemerkt, wie ich hier zur Ruhe gekommen bin. Wenn die Arbeitstage lang waren und ich in der Kälte und Dunkelheit nach Hause stapfte und mich ärgerte, dass ich schon wieder keine Zeit gefunden hatte für Dinge, die ich tun wollte, dann überkam mich trotzdem immer wieder eine Welle innerer Zufriedenheit. Und ich erinnerte mich daran, dass die Surfer in Venice Beach sagen „home is where the waves are“.

Hamburg – kannst Du zaubern?

Ich bin ja persönlich weder Surfer, noch Seemann. Eigentlich habe ich so viel Respekt vor dem Wasser, dass ich mich gar nicht weit hinein traue. Schon gar nicht auf einem Brett. Ich glaube das liegt der Nacht zugrunde, in der ich mir als Mädchen das erste Mal „Der weiße Hai“ angesehen habe. Vom Seemann bin ich noch weiter entfernt, ich verwechsle bis heute Backbord mit Steuerbord (habe es daher eben kurz gegoogelt: Backbord ist nicht rechts).

Und trotzdem kann ich das Zitat der Surfer unterschreiben. Ich bin glücklich, wenn ich Wasser sehe. Wenn ich das Rauschen höre, dann fühle ich mich ausgeglichen. Und das ist etwas, was ich erst kennenlerne. Eine wie ich, die sich innerlich immer getrieben fühlt, hin- und hergeworfen, die nicht weiß, was sie eigentlich will und sich deswegen entschieden hat, alles auszuprobieren, was sie ansatzweise kann – lässt auf einmal die Dinge auf sich zukommen und wartet ab. Und schaut so lange mal aufs Wasser.

Hamburg, kannst du zaubern? Woher nimmst du die Leichtigkeit und hast so viel davon übrig, dass ich, wo ich doch nur Gast bin, auch noch was davon abbekomme?

Jetzt ist meine Zeit hier vorbei. Ich packe meinen Rucksack und kann mich nun wieder auf die schönen Gewohnheiten und Menschen freuen, die mich in München erwarten. Regelmäßiges Ausbrechen hilft, das ist quasi eine Flucht nach vorne. Nun weiß ich auf einmal die Kleinigkeiten meines vergangenen Alltags wieder zu schätzen. Kann wieder klar und deutlich sehen, dass ich immer das machen kann, was ich toll finde und mich neugierig macht. Dass ich in jedem Augenblick die Möglichkeit habe, das Ruder umzureißen und die Richtung zu wechseln – weil es ohne links kein rechts geben würde. Dass ich eben kein Leben in Zwängen verbringe, sondern das Glück der Welt in meinen Händen halte: Freiheit.

Ich habe alles, aber auch alles, richtig gemacht. Das ist übrigens mein neues Mantra. Es ist ganz einfach, denn wäre ich im Stande gewesen, etwas anders zu entscheiden, hätte ich es getan. Hab’ ich aber nicht. Also ist alles an seinem Platz. Und das fühlt sich so verdammt gut an.