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Grün ist die Zukunft

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Das Modell "Volkspartei" ist im Niedergang. Während die Unionsparteien zusammen auf kaum mehr 30 Prozent kommen, rangiert die SPD bei Um­fragen irgendwo im niedrigen zweistelligen Bereich. Mit dem Einzug der AfD in den Deutschen Bundestag und alle Landtage scheint sich vorläufig ein Sechsparteiensystem etabliert zu haben, in dem es keinen Platz mehr für zwei "Volksparteien" in der "Mitte" gibt. Der Kampf der ehemals als Volksparteien bezeichneten CDU/CSU und SPD um die "Mitte" ist längst zugunsten der Konservativen entschieden. Das heißt jedoch nicht, dass der Union der ­Alleinvertretungsanspruch für die "Mitte" in den Schoß fallen wird. Längst laufen sich die Grünen warm, die SPD zu beerben. Die Partei der guten Laune und des guten Gewissens würde mittlerweile jeder Fünfte wählen, dem pre­käre Telefonisten im Auftrag eines der großen Wahlforschungsunternehmen die allseits beliebte "Sonntagsfrage" stellen. In Hessen und Bayern fuhren die Grünen Wahlergebnisse ein, als sei gerade ein Atomreaktor in Japan explodiert. Längst werden die Grünen zur neuen Volkspartei hochgeschrieben; manch einer träumt gar von einem Bundeskanzler Robert Habeck. Der Abstieg der SPD und der Siegesrausch der Grünen sind zwei Seiten derselben Medaille. "Aufstieg und Fall der Grünen sind ein abgeleitetes Phänomen der Krise sozialdemokratischer Hege­monie", notierte Joachim Bruhn bereits 1986 in der Taz. Mehr als 30 Jahre ­später deutet alles darauf hin, dass diese Krise zum Zusammenbruch der SPD führt. Die Sozialdemokratie, der die Arbeiterklasse abhanden gekommen ist, wird durch die ökologische Sozial­demokratie ersetzt, die keine Arbeiterklasse mehr braucht.

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