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Knast-Videoblogger aus der JVA Tegel drohen Konsequenzen

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Ein Häftling postet Videos aus der JVA Tegel - als erster "Knast-Youtuber" der Welt. Die Justizverwaltung reagiert nun.

Berlin. Ein Berliner Gefangener hat aus seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Tegel einen Videoblog auf Facebook und Youtube betrieben. Darin berichtet er vermummt aus dem Gefängnisalltag. Das führte in den Berliner Gefängnisverwaltungen zu hektischer Betriebsamkeit.

Bereits am Mittwochabend hatte ein Sprecher der Justizverwaltung der Berliner Morgenpost bestätigt, dass der Häftling ermittelt wurde. Was konkret mit ihm passiert, konnte er nicht sagen. Dadurch, dass er ein Handy besessen und benutzt habe, habe er aber gegen gesetzliche Regeln verstoßen.

Fernsehentzug und Einschränkung des Freizeitstunden

Mögliche Maßnahmen reichen nun vom Entzug von Gegenständen wie dem Fernseher und der Einschränkung der Freizeitstunden bis zur Verlegung in einen anderen Zellentrakt. "Wenn sie die JVA Tegel kennen, wissen sie, dass es da auch weniger beliebte Bereiche gibt", sagte der Sprecher der Berliner Morgenpost. "Die Inhaftierten sollen schon spüren, dass bei solchen Aktionen Konsequenzen drohen."

In den Video hatte sich der Gefangene mit weißer Mütze und einem Tuch vor dem Mund vor die Kamera gestellt. Hinter ihm die Gitterstäbe seiner Zelle. Fast jeden Tag seit Mitte Juni hat er Videos geposted und aus dem Knastalltag berichtet. Unmöglich eigentlich: Denn im Knast sind Mobiltelefone verboten.

Tausende Handys in Berliner Gefängnissen gefunden

Doch er erklärt sich in einem Video selbst: "An alle Hater, googled mal Handyfunde im Knast - dann könnt ihr sehen, wie viele Handys es gibt." Seine eigenen Videos lade er mit seinem Mobiltelefon hoch, erklärt er noch. Für sieben Gigabyte Datenvolumen zahle er nur 20 Euro.

Tatsächlich wurden allein im Jahr 2017 1303 Mobiltelefone in Berliner Gefängnissen gefunden, das teilte die Justizverwaltung bereits im Januar auf Anfrage der Berliner Morgenpost mit. Die meisten davon in der JVA Tegel - von dort sendet auch der Häftling seine Videos.

Er bezeichnet sich als erster "Knast-Youtuber" der Welt

Gänzlich verhindern, ließe sich nicht, dass Handys in die Gefängnisse kommen, erklärte der Sprecher am Donnerstag. "Wir versuchen das aber auszuschließen - nachts gehen beispielsweise Wärter mit Handydetektoren durch die Gänge."

Den Knast-Youtuber störte das bis zu ersten Berichten über seine Internetexistenz nicht. In einem anderen Video, dass er am 3. Juli um 3 Uhr morgens geposted hat, erklärt er: " Ich bin überwältigt von den ganzen Zuschriften - ich bin der erste Knast-Youtuber der Welt, Alter!"

Bis der Mann freikommt, dürfte es dauern

Er freue sich über sein "Alleinstellungsmerkmal" und träume schon von einer goldenen Zukunft: "Wenn ich hier rauskomme, lasse ich mich von einem Privatjet abholen - direkt von der Pforte!" Angst davor, erwischt zu werden, scheint der Knast-Youtuber zu diesem Zeitpunkt kaum zu haben.

Doch bis der Mann freikommt, dürfte es noch eine Weile dauern: In einem weiteren Video erklärt er, dass er wegen eines Raubdeliktes zehn Jahre im Knast sitze und noch die meiste Zeit vor sich habe. "Ich kann euch nicht sagen, was ich genau getan habe - sonst wissen alle, wer ich bin." Nur fünf bis zehn Leute, prahlt er, säßen in Deutschland wegen eines Vergehens im Knast, wie er es begangen habe.

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