1 Abo und 1 Abonnent
Artikel

JVA Moabit erlaubt „Public Viewing" im Gefängnis

Dpa picture alliance 93755443 highres

In der JVA Moabit wird für die Insassen im Kirchenraum das Spiel gezeigt. In einigen Firmen wird das strenger gehandhabt.

Berlin. Wenn das DFB-Team an diesem Mittwoch im dritten und letzten Vorrunden-Spiel auf Südkorea trifft, sitzt Deutschland wieder vor den Fernsehgeräten. Der Anstoß 16 Uhr fällt für viele aber mitten in die Arbeitszeit. Behörden und Unternehmen gehen damit unterschiedlich um.

Trotz der vielen Fußballfans bei Siemens werden in den Berliner Werken die Fabrikbänder heute nicht angehalten. „Unsere Mitarbeiter haben die unterschiedlichsten Nationalitäten. Da ist für jeden ein anderes Spiel das entscheidende", sagte Siemenssprecher Christian Datzer. Die Produktion gehe vor. „Wer gucken will, kann seine Gleitzeit so legen, dass es passt." Schwer haben es Fußballfans auch bei Vivantes. „Die Patientenbetreuung hat oberste Priorität. Da darf es keine Sonderregeln geben", sagte eine Sprecherin des Klinikkonzerns.

Deutlich fußballverrückter ist man bei den Berliner Wasserbetrieben. In der Unternehmenszentrale in Mitte gibt es ein Public Viewing für Mitarbeiter. Die meisten beginnen ihren Dienst in den frühen Morgenstunden. 16 Uhr ist daher keine problematische Zeit für ein kühles Pils und Fangesänge. Für manche Beschäftigte ist Fußballgucken gar Teil der Arbeitsplatzbeschreibung. In den Wasserwerken läuft bei großen WM-Spielen die Live-Übertragung mit. Denn wenn in der Halbzeitpause die Fußballnation ihre Blasen entleert und danach massenweise die Toilettenspülung bedient, könnten die automatischen Druckausgleiche versagen. In der Halbzeitpause müssen die Mitarbeiter der Wasserbetriebe daher manuell nachregeln - und dürfen auf keinen Fall den richtigen Moment verpassen. Wer mehr über die Korrelationen zwischen Spiel und Harndrang erfahren will, kann auch die „Spülanalyse" auf den Webseiten der Wasserwerke abrufen.

Die Polizei drückt zur WM ein Auge zu

Ganz unterschiedlich geregelt ist das Fußballgucken auch bei Berliner Feuerwehr und Polizei. Die Feuerwehrleute dürfen ganz offiziell auf ihren Wachen das Spiel sehen. „Natürlich nur, wenn kein Einsatz ist", sagte Feuerwehrsprecherin Bianca Olm. Die Polizisten dürfen offiziell hingegen nicht schauen. Allerdings läuft in vielen Wachen im Hintergrund die Übertragung. Solange der Dienst im Vordergrund bleibt, drücke die Behördenleitung ein Auge zu, heißt es.

Da haben es Politiker bedeutend einfacher. Zumindest die, die an diesem Tag in den Rechts- und Verfassungsschutzausschuss im Abgeordnetenhaus müssen. Die Sitzung wurde extra um anderthalb Stunden auf 14 Uhr vorverlegt. Völlig neue Wege beschreitet auch die Justizvollzugsanstalt (JVA) Moabit. Dort gibt es ein Public Viewing der besonderen Art. In Moabit wird am heutigen Mittwoch für die Insassen im Kirchenraum der JVA das Spiel übertragen. Begleitet wird die Partie von dramatischer Musik des Stummfilm-Pianisten Carsten-Stephan Graf von Bothmer. Weniger dramatisch geht es in den anderen Berliner Gefängnissen zu. Dort können die Insassen die Spiele in Gemeinschafträumen oder im TV in ihren Zellen verfolgen.

Mehr zum Thema:

WM 2018: Darf ich während der Arbeit Fußball gucken?

Südkorea gegen Deutschland live im TV, Stream & Ticker

Nina Queer mit dem schrägsten Public Viewing Berlins

© Berliner Morgenpost 2018 - Alle Rechte vorbehalten.

Zum Original